erstellt:           April 1994
überarbeitet:  Oktober 2004

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Canadier und GPS Info - Seite
von Ralf Schönfeld

 

 

Der Canadier

 

 

 

 

Definition Kanu / Canadier / Kanadier / Kajak

 

Das deutsche Wort „Kanu“ ist Oberbegriff für alle Wassersportgeräte, die aus eigener Muskelkraft mit Paddeln in Blickrichtung nach vorne fortbewegt werden (Ruderboot Blickrichtung nach hinten !).
Es beinhaltet die unterschiedlichsten Bootstypen wie z.B. die große Gruppe der Canadier (= Kanadier) und Kajaks, aber auch Faltboote, See-Kajaks, diverse Schlauchboot-Ausführungen usw.

Da sich viele Leute dieser Definition nicht bewußt sind, führt der Begriff Kanu sehr häufig zu Missverständnissen und Enttäuschungen, da sie mit Kanu eigentlich Canadier meinen (diese „Indianerschiffchen“).
Da entpuppt sich dann der „Kanuclub XY“ in Wirklichkeit als reiner Verein für Kajak-Freaks und der stolze Canadier Besitzer wird nur mitleidig wegen seiner mitgebrachten „Badewanne“ belächelt.
Birkenrinden-Canoe

Während die Wurzeln des Kajaks bei den Eskimos/ Inuits zu suchen sind, stammen die Urformen unserer Canadier (engl. Canoe), wie der Name sagt, aus Canada bzw. Nordamerika.
Das deutsche Wort Canadier bzw. Kanadier und das englische oder französische Wort Canoe sind gleichbedeutend.

 

 

Materialkunde

 

Im Canadierbau finden heutzutage stark unterschiedliche und nachfolgend genannte Materialien Verwendung.
Die Zusammenstellung gewährt auch einen Überblick über die historische Entwicklung.

 

 

Birkenrinde

 

Die ersten Europäer in Nordamerika erkannten rasch die zahlreichen Vorteile des Canoes, die die Indianer aus Birkenrinde anfertigten.
Über einen langen Zeitraum nutzten Trapper und auch die Voyageure in den Großcanoes diese überaus robusten Boote.
Als jedoch die riesigen Birken, die den Rohstoff Rinde lieferten, immer seltener wurden, entwickelten die Europäer ein Canoe aus einem alternativen Werkstoff, die Holz-Canadier.

 

 

Holz

 

Nur noch wenige Hersteller führen die traditionelle Kanu-Bauweise aus Holz fort und bauen ihre Canadier aus diesem Naturprodukt.
Es steckt sehr viel Handarbeit darin und die Boote kosten entsprechend viel.
Darüber hinaus sind sie relativ empfindlich (nur bedingt für Wildwasser geeignet) und verlangen ständig gute Pflege.
Trotz zahlreicher guter Eigenschaften dieses natürlichen Werkstoffes, wie niedriges Gewicht, leiser Lauf, (Holz ist schallschluckend), hohe Steifigkeit, natürliche Elastizität, keine zusätzlichen Auftriebskörper erforderlich, gute Isolierung gegen Kälte, keine Aufheizung in der Sonne sind sie als Gebrauchsboote weniger geeignet, sondern mehr etwas für Liebhaber.
Heutzutage werden die Holz-Canadier häufig zum Schutz vor Beschädigungen und um die Wartung zu minimieren mit einer durchsichtigen Glasgewebeschicht und Epoxidharz überzogen (GFK).
Traditionelle Holzboote dagegen sind meist außen mit Canvas überzogen, mit einem Filler präpariert und dann lackiert, teilweise auch mit Shellack (Wood-Canvas Canoes).

 

Aluminium

 

Bis zum Aufkommen von Aluminium war Holz über Jahrhunderte hinweg das einzige Kanu-Baumaterial.
Nach dem 2. Weltkrieg wurden zum ersten Mal Canadier aus strapazierfähigem Flugzeug-Aluminium hergestellt.
Der günstige Preis und die Wartungsfreundlichkeit im Vergleich zum Holz waren so gut, daß die Nachteile von Alu nicht ins Gewicht fielen.
Da Alu die Kälte des Wassers gut leitet, sind die Boote in den kälteren Jahreszeiten kalt, während bei Sonnenschein die beschienenen Flächen sehr heiß werden.
Außerdem sind sie auf dem Wasser sehr laut, jede Welle verursacht blecherne Geräusche und mit der Zeit verbeulen leichte Grundberührungen den ganzen Rumpf. Zudem ist ihr Gewicht mit dem von GFK-Booten zu vergleichen, als relativ hoch.
Dafür können kleinere Beschädigungen mit dem "Hammer" repariert werden (ausbeulen).

Früher vor allem in Nordamerika und Skandinavien weit verbreitet, spielen heute Canadier aus Aluminium nur mehr eine untergeordnete Rolle.

 

 

GFK

 

Glasfaser verstärkter Kunststoff (GFK) ist ein gebräuchliches und weit verbreitetes Material für Wandercanadier.
Sie sind relativ preisgünstig, können in jeder Form und Größe gebaut werden, sind auch unterwegs gut zu reparieren und benötigen fast keine Wartung.
Man sollte allerdings beim Kauf darauf achten, daß man ein Markenfabrikat ersteht, da die Qualität (Lebensdauer/Haltbarkeit) sehr stark von der Verarbeitung abhängig ist.
Auf jeden Fall muß das Boot im Auflegeverfahren hergestellt sein, wobei eine Matte oder ein Gewebe nach dem anderen einlaminiert wird.

Hände weg von Booten, die im Spritzpistolenverfahren hergestellt werden. Dabei werden mit Harz getränkte Fieberglasteile in eine Form gespritzt. Sie sind viel brüchiger, als mit Gewebe hergestellte Canadier.
Die harte Oberfläche ist zwar robust und sogt für gute Gleiteigenschaften der Boote, ist aber auch empfindlich gegen starke Schläge.
Bim seitlichen Kentern an Hindernissen in schnell fließenden Gewässern kann ein GFK-Canadier schon mal auseinanderbrechen.
Auch ist das Gewicht sehr hoch, wenn das Boot robust und/ oder qualitativ minderwertig gebaut ist.
Achtung:
GFK-Boote sinken, deshalb nie ohne zusätzliche Auftriebskörper paddeln !
Aus diesem Grund laminieren die Hersteller meist Styropor, geschlossenzelligen Schaum o.ä. gleich ab Werk in die Spitzen mit ein oder schaffen dort Hohlräume.

 

 

Kevlar

 

Kevlar und Kohlefasern (Carbon) werden ähnlich verarbeitet wie GFK, d.h. Gewebe wird mit Harz in einer Form laminiert.
Die Verarbeitung ist jedoch wesentlich schwieriger, was auch die Reparatur komplizierter macht. In der Regel werden nur hochwertige teure Harze verwendet (z.B. Epoxyd).
Es sind zwar stabilere und leichtere, aber auch entsprechend teurere Boote (Kevlar ist 10-15 % leichter und doppelt so zäh wie GFK, Kohlefasern haben eine vielfache Festigkeit von GFK).
Mit diesen hochwertigen Materialien sind hochfeste, spitz zulaufende und sehr schnelle Rumpfformen möglich.
Für den Einsatz auf überwiegend steinigen Flüssen oder im Wildwasserbereich ist das Material jedoch weniger empfehlenswert.
Inzwischen sind auch Boote in Verbundbauweise im Handel, d.h. im Inneren ein geschlossenzelliger Schaumkern und außen die laminierten Kevlarlagen.

 

 

Polyethylen (PE) / RAM-X      (bzw. Olthylen; Details hierzu siehe weiter unten)

 

PE ist ein moderner und wirtschaftlicher Werkstoff. Er kostet wenig und je höher die Stückzahlen sind, desto kostengünstiger wird die Verarbeitung (Vakuumverfahren). Es gibt ihn in zahlreichen verschiedenen Werkstoffzusammensetzungen, daher ist PE nicht gleich PE.
Zu den Vorteilen zählt die gute Verformbarkeit, die Widerstandsfähigkeit gegen Schläge und es bricht nicht, wenn es gebogen wird. Zudem ist es wartungsfrei.

Nachteilig ist die mangelnde Isolation gegen die Kälte des Wassers (wenn es nicht im Sandwichverfahren verarbeitet wird), die Kratzempfindlichkeit der Oberfläche, die geringe Steifigkeit des Materials, das recht hohe Gewicht und eine Reparatur ist problematisch (kann man nicht kleben sondern nur verschweißen). Auch können Ankerplatten mit D-Ringen (z.B. für Schenkelgurte oder zum Verzurren von Gepäck etc.) nicht eingeklebt werden.
PE-Boote können auf verschiedene Arten aufgebaut sein:

Im Sandwichverfahren hergestellte Boote haben eine gute Isolation gegen die Kälte des Wassers und die Rümpfe sind ausreichend stabil.
Boote die nicht im Sandwichverfahren hergestellt sind benötigen wegen der geringen Steifigkeit von PE ein Stützgerippe (z.B. Coleman mit Alu-Gerippe und RAM-X Außenhaut) und isolieren schlecht gegen Kälte.
Ein Canadier aus massivem PE ohne Stützgerippe ist wegen der entsprechend erforderlichen Materialstärke extrem schwer.


Boote aus linearem PE sind sehr gut recyclebar, aus vernetztem PE jedoch nicht oder nur bedingt.

 

 

Royalex / Oltonar

 

Royalex, auch bekannt unter dem Namen Oltonar (Fa. Old Town), ist ein moderner Kunststoff-Verbundwerkstoff, ein Laminat aus Vinyl, mehreren ABS-Kunststoff-Schichten und geschlossenzelligem PUR-Hartschaum (nimmt kein Wasser auf).
Er wird in den USA von den bekanntesten Canadier-Herstellern verwendet (inzwischen auch von einem deutschen Hersteller) und dürfte zur Zeit das strapazierfähigste Material sein. Zudem ist es relativ leicht.
Es isoliert gut gegen Kälte und Hitze, macht die Boote unsinkbar, den Rumpf steif und läßt sie leise laufen.
Der Werkstoff ist extrem haltbar (bezgl. Zähigkeit, Knickfestigkeit und Schlagunempfindlichkeit unübertroffen). Er kann völlig zusammengedrückt werden ohne zu brechen. Unter Einwirkung von Sonne oder Hitze (z.B. Heißluftfön) formt sich ein verbeulter oder verbogener Canadier in seine ursprüngliche Form zurück.

In Royalexboote lassen sich problemlos Ankerplatten mit D-Ringen (z.B. für Schenkelgurte oder zum Verzurren von Gepäck etc.) einkleben.
Nachteil von Royalex ist die etwas weichere Oberfläche gegenüber GFK (bei Steinberührungen läßt man „Farbe“) und daß die Bootspitzen nicht so scharf ausgeformt werden können. Zudem sind diese Boote recht teuer und nicht recyclebar.
Ein Boot aus Royalex läuft bei stehenden Gewässern generell nicht so gut und leicht wie ein Boot in Laminat-Bauweise oder aus Holz (schlechtere Gleiteigenschaften).

 

 

R-84 Royalite /R-Light/ Royalex Light o.ä.

 

R-84 Royalite, R-Light, Royalex Light etc. (es gibt verschiedene Namen je nach Hersteller) ist jeweils eine Leichtausführung von Royalex.

Sie haben jedoch zum Teil einen etwas abweichenden Materialaufbau.

Bei unseren heimischen Bächen mit viel Grundberührung würde ich Royalex vorziehen.

 

Olthylen

 

Olthylen des US-Herstellers Old-Town ist ebenfalls ein Kunststoff-Verbundwerkstoff mit ähnlich guten Eigenschaften wie Royalex (strapazierfähig, leicht, gute Isolation, leiser Lauf, unsinkbar, extrem haltbar etc.) ohne die mechanischen Qualitäten jedoch ganz zu erreichen. Dafür sind Boote aus diesem Material deutlich preisgünstiger.
Aufbau: Vernetztes PE (Eigenname von Old Town „Crosslink“), dann geschlossenzelliger PUR-Hartschaum und dann wieder vernetztes PE.

Entscheidender Nachteil dieses Werkstoffes ist jedoch, daß es nicht geklebt werden kann (wegen der Verwendung von Polyethylen). Zwar ist die Notwendigkeit einer Reparatur bei diesen Booten sehr unwahrscheinlich, aber es gibt keine dauerhaft verlässliche Möglichkeit beispielsweise Schenkelgurte o.ä. anzubringen (einkleben von D-Ringen).
Olthylen ist inzwischen recyclebar.

 

Luftboote

 

Sie sollten nicht verwechselt werden mit billigen Badebooten aus PVC vom Kaufhaus.
Hochwertige Luft-Canadier (z.B. XR-Trekking von Big-Pack, Outside von Grabner, Spreu) sind aus strapazierfähigen Materialien hergestellt (wie die großen Rafting-Schlauchboote) und überstehen klaglos Grund- und Steinberührungen.
Ihr Haupteinsatzgebiet liegt in fließenden Gewässern und im Wildwasserbereich, wo sie sehr sichere Fahreigenschaften aufweisen und auch dem ungeübteren Paddler eine Befahrung ermöglichen.
Weitere Vorteile sind ihr relativ niedriges Gewicht , bequeme Transportmöglichkeit und geringer Platzbedarf beim Aufbewahren.
Nachteilig ist ihr langsames, zähes Fahrverhalten auf stehenden Gewässern , die große Windempfindlichkeit und ihr stolzer Preis.
Generell ist das Fahrverhalten nicht mit denen von starren Booten zu vergleichen (die Paddeltechnik unterscheidet sich aber nicht zu der mit starren Booten).

 

Falt-Canadier

 

Einen ganz guten Kompromiß bieten hier die Falt-Canadier (z.B. von der norwegischen Firma Ally  http://www.bergans.no/  oder die PakCanoes der US-amerikanischen Firma Pakboats  http://www.pakboats.com/  (die waren früher mal im Exclusiv-Vetrieb von Mad River)).
Sie bieten nahezu die gleich guten Fahreigenschaften wie ein starres Boot und zusammengepackt sind sie etwa mit der Größe von Schlauchbooten zu vergleichen.
Zudem sind sie sehr leicht.

Die Außenhaut besteht aus sehr robuster glasfaserverstärkter PVC-Plane (ähnlich wie LKW-Plane), die mit einem zusammensteckbaren Alugestänge ausgesteift wird. Für den notwendigen Auftrieb und Isolation sorgt eine geschlossenzellige Schaummatte, die in den Boden eingelegt wird.
Die PakCanoe’s verfügen zusätzlich über seitliche Luftkammern.

Die Faltcanadier sind prinzipiell recht robust und in hohem Maße wildwassertauglich.
Bei häufigem Einsatz in anspruchsvollerem Wildwasser muß jedoch mit einem erhöhten Verschleiß gerechnet werden, da durch Relativbewegungen zwischen Gestänge und Außenhaut sowie Verwindungen eine erhöhte Beanspruchung an Außenhaut, Gestänge und deren Verbindungen auftritt.

Aufgrund dieser Problematiken wurden die diesbezüglich optimierten PakCanoe’s von der Firma Pakboats entwickelt.
Ein ausführlicher Erfahrungsbericht über diese Boote ist auf der extra Seite „PakCanoe’s in der Praxis“ zu finden.

 

 

Fahreigenschaften

 

Die Fahreigenschaften eines Canadiers können durch folgende 3 Merkmale charakterisiert werden:

 

·        Schnelligkeit

·        Wendigkeit bzw. Richtungsstabilität

·        Kippstabilität

 

Beeinflußt werden diese Merkmale durch die technische Konzeption des Bootes (Länge, Breite, Rumpfform) und variieren je nach vorgesehenem Einsatzzweck.
Wesentlichen Einfluß auf das Fahrverhalten haben:

 

 

 

1.     Für die Schnelligkeit

Die Form des Unterwasserschiffes (der Teil des Bootes, der unterhalb der Wasseroberfläche liegt) gibt Aufschluß über die Schnelligkeit eines Bootes (Widerstand beim Paddeln).

                       ð         Je länger und schmaler der im Wasser liegende Teil, desto leichter (geringerer Kraftaufwand) läßt sich das Boot
                                   vorwärts bewegen ("Länge läuft").

Typischer Einsatzbereich: lange Touren auf stehenden Gewässern (tendenziell Wandercanadier bzw. Tourencanadier).

 

Sehr wichtig sind auch die Winkel an Bug und Heck des Canadiers.
Wenn ein Canadier schon kurz nach den Spitzen breit wird ("Badewanne"), muß man beim Paddeln mehr Kraft aufwenden als bei einem Boot, das nur langsam breiter wird.
Kurze Boote benötigen ein breites Bug und Heck um die nötige Zuladung tragen zu können.
Auch Boote die für bewegteres Wasser/ Wildwasser geeignet sind, haben zur Erzielung eines hohen Auftriebes ein voluminöseres Bug/ Heck.

 

 

 

2.     Für die Wendigkeit bzw. Richtungsstabilität

Die Wendigkeit (auch Manövrierfähigkeit) resultiert aus drei Faktoren:

 

 

                        1. Länge des Bootes :

           
            kurz      =          wendig (tendenziell Wildwasserboot)
                        lang      =          richtungsstabil (tendenziell Wanderboot)

 

 

                        2. Kiellinie (Kielsprung bzw. Rocker): 

 

                        Gerade             =          richtungsstabil (tendenziell Wanderboot)

                        Gebogen          =          wendiger (tendenziell Wildwasserboot)
               (d.h. mit Kielsprung)

 

 

                        3. Querschnitt des Unterwasserschiffes:

 

                        Flach                            =          wendig (gut für Wildwasser, geringer Querwiderstand)

                        V-Boden oder              =          richtungsstabil (tendenz. Wanderboot)
                        halbrunder Boden                    

 

 

Kiel:
Ein Canadier sollte nur dann einen Kiel haben, wenn er ausschließlich auf Seen verwendet wird (guter Geradeauslauf, geringere Seitenwindempfindlichkeit, Schutz des Bodens (z.B. bei Holzbooten)).
Auf bewegtem Wasser sollte das Boot auf keinen Fall einen Kiel haben (schlechte Manövrierbarkeit, Gefahr an Unterwasserhindernissen hängenzubleiben umkippen).

 

 

3.     Für die Kippstabilität

Gerade Anfänger und Familien mit Kindern sollten die Kippstabilität eines Canadiers nicht unterbewerten.
Ob man ein gutmütiges Freizeitkanu, ein Boot  für den versierten Tourenpaddler oder einen kippeligen Wildwassercanadier vor sich hat, erkennt man an der Breite und wiederum am Querschnitt des Unterwasserschiffes:

                        1. Breite an der Wasserlinie:            breit     =          kippstabil

 

                        2. Querschnitt des Rumpfes: siehe nachfolgende Übersicht

                        flacher Boden               =          höchste Anfangsstabilität
                                                                        geringe Endstabilität und
                                                                        geringe Reservestabilität

 

                        flacher V-Boden           =          hohe Anfangs- und Endstabilität
                                                                        geringe Reservestabilität
                                                                        (tendenziell Seecanadier)

 

                        halbrunder Boden         =          geringe Anfangs- und Endstabilität
                                                                        (tendenziell Wildwassercanadier u.
                                                                        schnelle Tourenboote)

 

Die meisten universell einsetzbaren Wander-Canadier sind ein Kompromiss aus Flach-Boden und leicht V-förmigem Boden.
Bei Wildwassercanadiern und Tourencanadiern findet sich ein rundlicher Boden

 

 

 

Resümee  -  gibt’s den idealen Canadier ?

 

Zugegeben, das Ganze wirkt auf den ersten Blick sehr verwirrend und widersprüchlich  -  ist es auch !!!
Bei genauerem Studium wird man erkennen, daß die Summe aller Eigenschaften eines Canadiers immer nur einen Kompromiß darstellen kann.
Beispielsweise kann ein Wandercanadier nicht optimal schnell sein (schmales Boot) und gleichzeitig sehr kippstabil (breites Boot).
Auch gute Wendigkeit (kurzes Boot mit Kielsprung) und hohe Richtungsstabilität (langes Boot mit gerader Kiellinie) schließen sich gegenseitig aus.
Trotzdem ist der Einsatzbereich eines Canadiers enorm groß, prinzipiell kann man jedes Boot für alle Einsatzbereiche nützen  -  extremes Wildwasser natürlich ausgenommen.
Aber jedes Boot hat seinen eigenen Charakter. Wer vornehmlich Langstrecken hinter sich bringen will, muß normalerweise bei der Wendigkeit Abstriche machen  -  und umgekehrt.
Auch bei der Wahl des Materials muß letztendlich ein Kompromiß gewählt werden.

 

 

Länge

 

Da die meisten Boote aus Nordamerika importiert werden, wird die Bootslänge sehr häufig in Fuß angegeben
(„ foot “, „ ft “ oder „ ` “ ; 1 Fuß = 0,3048 m).
Für 2-er Wander- bzw. Tourencanadier sind 16 und 17 Fuß üblich (ca. 4,85 m bzw. 5,20 m) und für Solo-Wildwassercanadier 12 und 13 Fuß
(ca. 3,65 m bzw. 4,00 m).
Natürlich gibt es längere und auch kürzere Boote, aber das sind so die Standardmaße.

 

 

Zuladung

 

Der klassische Canadier ist eher ein Transport- und Fortbewegungsgerät als ein Sportgerät.
Er bietet deshalb die Möglichkeit, alles Notwendige für längere Touren zu verstauen (Verpflegung, Zelt, Schlafsack, Hund usw.).
Dafür ist ein Canadier mit hoher Zuladung notwendig.
Sie wird bestimmt von der Länge und Breite des Bootes sowie der Höhe der Seitenwand, d.h. von der Wasserverdrängung.
Die maximale Zuladung ist bei 15 cm Freibord erreicht und sollte beim Vergleich verschiedener Boote untereinander als Maß herangezogen werden.
Es bringt nichts, wenn ein Hersteller eine sehr hohe Tragkraft/Zuladung für seine Boote angibt, die Süllränder dann aber schon unter Wasser liegen.

Zudem sollte man beachten, daß ein Boot seine Fahreigenschaften bei hoher Beladung erheblich verändert, es wird in der Regel deutlich träger und schwerfälliger reagieren.
Wenn Fahrten mit Gepäck geplant sind oder schwergewichtige Personen damit reisen möchten, sollte deshalb ein Boot mit hohen Zuladungsreserven und im Zweifelsfall lieber eine Nummer größer gewählt werden (z.B. bezüglich Länge).

 

 

 

Wesentliche Begriffe am Boot

 

 

wesentliche Begriffe

 

 

 

Unbedingt notwendige Ausrüstung am Boot

 

Zur unbedingt notwendigen Ausrüstung eines Bootes gehören:

·        Fangschlaufen an Bug und Heck

 

·        Auftriebskörper

 

Bei Auftriebskörpern muß man unterscheiden zwischen:

·        Unbedingt notwendige Auftriebskörper um ein Boot unsinkbar zu machen.

·        Großvolumige Auftriebskörper um ein Boot für bewegtes Wasser bzw. WW-Einsatz tauglich zu machen.

 

 

Anmerkung:
Wesentlich umfangreichere und detailliertere Informationen zu den offenen Canadiern stellt das „Canadier Handbuch“ bereit, das in gedruckter Form als 410-seitiges Taschenbuch im praktischen Format 12,3 x 19 cm zur Verfügung steht.

 

 

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© Ralf Schönfeld