erstellt:           April 1994
überarbeitet:  23. Juli 2006

 

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Canadier und GPS Info - Seite
von Ralf Schönfeld

 

 

Hinweise zum Dachtransport von Canadiern

 

 

 

 

Der Transport unserer Canadier auf dem Fahrzeugdach ist nicht ganz unproblematisch und wirft immer wieder Fragen auf.
Unsicherheit besteht vor allem in den Punkten, wie breit dürfen denn die Quertraversen des Dachträgers sein und wie viel und wie darf man draufpacken, um nicht in Ungnade bei den Gesetzeshütern zu fallen ?
Um einerseits die Transportkapazität unserer Fahrzeuge mit unseren voluminösen Sportgeräten optimal ausnutzen zu können, andererseits aber eine vermeidbare Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer absolut auszuschließen und damit man beim Anblick einer Polizeistreife vor lauter schlechtem Gewissen nicht so zusammenzucken muß, daß man nicht mehr über den Rand des Lenkrades schauen kann, habe ich mich mal für Euch durch den nebulösen Paragraphendschungel der Straßenverkehrsordnung (StVO) und Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) geschlagen.

 

Anmerkung:
Die nachfolgenden Angaben beziehen sich auf die Bestimmungen in der Bundesrepublik Deutschland, in anderen Ländern (z.B. Schweiz) gelten zum Teil abweichende Vorschriften.

 

 

 

1. Dachträger

 

 

1.1 Montage:

·        Gepäck- und Skiträger müssen am Fahrzeug sicher angebracht sein.
            ð        Achtet darauf, daß der verwendete Träger für Euer Fzg. geeignet bzw. passend ist.
            ð        Die Befestigungsschrauben regelmäßig auf festen Sitz kontrollieren (z.B. beim Tankstop).
                       

·        Ihre Befestigungen, z.B. in den Regenleisten, dürfen keine vorstehenden, scharfkantigen Teile enthalten.
            ð        Hier ist natürlich hauptsächlich der Hersteller gefragt.
            ð        Aber: Zum Träger gehörende Abdeckungen, Abdeckkappen, Endkappen an den Quertraversen oder ähnliches
                        immer montieren.

 

 

1.2 Zulässig Breite der Dachträger:

·        Die Träger (Quertraversen) selbst dürfen die Fahrzeugumrisse nicht überragen.
            ð        D. h., zur Ermittlung der zulässigen Breite Eurer Träger solltet Ihr einen Blick in den Kraftfahrzeug-Schein werfen
                        bzw. in dessen Nachfolger Zulassungsbescheinigung Teil 1.
                        Unter Ziffer 13 (bzw. 19 bei der neuen Ausführung) sind die Maße Eures Fahrzeugs vermerkt
                        (= der Fahrzeug-Umriss; L = Länge, B = Breite, H = Höhe).
                        Die Träger dürfen also über die Außenkante des Daches überstehen, aber insgesamt eben nicht breiter sein
                        als unter „13 B“ bzw. 19 im Kraftfahrzeug-Schein eingetragen.

 

·        Achtung:
Bei der Ermittlung der höchstzulässigen Fahrzeugbreite (Fahrzeugumriss) werden die Außenspiegel grundsätzlich nicht berücksichtigt.
            ð        Ihr dürft also die Spiegel nicht als Maß für die Fahrzeugbreite / Breite Eurer Dachträger heranziehen.

·        Achtung: Alle Anbauteile, hierzu zählen z.B. Dach- und Skiträger, gelten als verkehrsgefährdend.
Es wird deshalb darauf geachtet, daß die Ecken und Kanten der Träger abgerundet sind.

 

 

1.3 Tragkraft der Träger:

 

·        Leider findet man nicht bei allen Herstellern einen Aufkleber mit der möglichen Tragkraft auf dem Träger
(vielleicht deshalb, weil die Tragkraft des Trägers nicht mit der zulässigen Dachlast verwechselt und ungeprüft gleichsetzt werden darf).

 

 

 

2. Beladung

 

·        Canadier werden üblicherweise umgekehrt (kieloben) transportiert.
Das Boot liegt dann satt und stabil auf den Trägern auf.

 

 

 

2.1 Zulässige Länge von Ladung (grundsätzlich)

 

·        Die Ladung darf nicht nach vorn über das Fahrzeug hinausragen.
            ð        Die Spitze unserer Boote darf also nicht über die vordere Stoßstangenkante überstehen.

·        Nach hinten darf eine Ladung bis zu 1,5 m ohne Einschränkung hinausragen.
Bei Beförderung bis 100 km darf sie bis 3 m hinausragen; darüber hinaus ist eine Ausnahmegenehmigung der Straßenverkehrsbehörde erforderlich.

 

 

2.2 Kenntlichmachung überlanger Ladung bei Tage:

 

·        Ragt das äußerste Ende einer Ladung mehr als 1 m über die Rückstrahler (*) eines Fahrzeugs hinaus, so ist es am Tag zu kennzeichnen.

·        Diese Sicherungsmittel dürfen nicht höher als 1,5 m über der Fahrbahn angebracht werden.

 

 

 

2.3 Kenntlichmachung überlanger Ladung bei Dunkelheit:

 

·        Während der Dämmerung, bei Dunkelheit oder schlechten Sichtverhältnissen ist überstehende Ladung, wenn sie mehr als 1 m über die Rückstrahler eines Fahrzeugs hinausragt, mit mindestens einer typgeprüften Leuchte mit rotem Licht, nicht höher als 1,5 m über der Fahrbahn und ein Rückstrahler, nicht höher als 90 cm über der Fahrbahn zu kennzeichnen.

 

 

2.4 Zulässige Breite von Ladung (grundsätzlich):

 

Der nachfolgende Punkt ist vor allem dann von Interesse, wenn man plant, z.B. zwei Canadier nebeneinander zu transportieren oder einen Canadier plus ein oder zwei Kajaks.

 

·        Die Ladung eines Fahrzeugs darf breiter als der Umriss des Fahrzeugs sein (= eingetragene Breite im Kfz-Schein/EU-Zulassungsbescheinigung), aber ein Fahrzeug einschließlich Ladung darf allgemein höchstens 2,5 m breit sein.

·        Achtung: Dies gilt nicht für einzelne Gegenstände.
Z.B. Pfähle, Stangen (beispielsweise von einem Tipi !), waagrecht liegende Platten und andere schlecht erkennbare Gegenstände dürfen seitlich nicht über den Umriß des Fahrzeugs hinausragen.

 

 

2.5 Zulässige Breite von Ladung bei Dunkelheit:

 

Komplizierter wird dies allerdings bei Dunkelheit/ schlechter Sicht.

 

·        Ragt nämlich die Ladung grundsätzlich seitlich mehr als 40 cm über den äußeren Rand der Lichtaustrittsfläche der Begrenzungs- oder Schlußleuchten hinaus, so ist sie während der Dämmerung, bei Dunkelheit, oder wenn die Sichtverhältnisse es sonst erfordern, kenntlich zu machen und zwar seitlich höchstens 40 cm von ihrem Rand und höchstens 1,5 m über der Fahrbahn nach vorn durch eine typgeprüfte Leuchte mit weißem, nach hinten durch eine mit rotem Licht.

 

 

 

2.6 Zulässige Höhe der Ladung:

 

Verbietet sich ein Transport von 2 Canadiern nebeneinander, können 2 Boote auch übereinander gestapelt werden.

 

·        Dabei darf ein Fahrzeug zusammen mit der Ladung eine Höhe von 4 m nicht überschreiten.

 

 

2.7 Zulässiges Gewicht (allgemein):

 

·        Bei all der Packerei muß man natürlich die zulässige Dachlast, die Tragkraft der Träger, und grundsätzlich selbstverständlich auch das zulässige Gesamtgewicht bzw. die zulässigen Achslasten des Fahrzeuges beachten.

 

 

2.7.1 Zulässige Dachlast:

 

In den Prüfungsfragen zum Führerschein heißt es zwar, daß eine vom Fahrzeughersteller angegebene Dachlast nicht überschritten werden darf, andererseits gibt es grundsätzlich keine Vorschriften über zulässige Dachlasten.

 

·        Weder im Kfz-Schein noch im Kfz-Brief wird die Dachlast angegeben. Letztendlich sind nur die Achslasten und das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeuges begrenzendes Kriterium.
Hinweise auf die mögliche Dachlast findet man nur in der Betriebsanleitung des Fahrzeuges.

 

 

2.10 Fahreigenschaften:

 

·        Eigentlich selbstverständlich, daß man mit aufgetürmter Dachlast vorsichtiger und umsichtiger fahren sollte, um sich und andere nicht zu gefährden.

 

·        Die Fahreigenschaften eines Fahrzeuges können durch die Dachlast erheblich beeinflußt werden (meistens nachteilig).

 

·        Durch den hohen Schwerpunkt neigt das Fahrzeug in Kurven stärker zum Wanken oder gar Kippen, ganz besonders natürlich, wenn man 2 Boote aufeinanderpackt.

 

·        Die Seitenwindempfindlichkeit nimmt erheblich zu.

 

·        Bei starker Beladung sollte man auf jeden Fall den Reifendruck nach Empfehlung des jeweiligen Fahrzeug-Herstellers erhöhen.

 

 

2.11 Sonstige Sorgfaltspflichten:

 

·        Ebenso selbstverständlich, daß die Ladung sicher befestigt sein muß.
(siehe hierzu den nächsten Punkt "Ladungssicherung")

 

·        Die Beleuchtungseinrichtung und das amtliche Kennzeichen dürfen in ihrer Wirkung nicht beeinträchtigt werden.

 

·        Die Ladung darf die Sicht des Fahrzeugführers nicht beeinträchtigen.
            ð        Das ist nicht immer ganz unproblematisch.
                        Durch einen Canadier wird der Blick durch die Windschutzscheibe zum Teil doch erheblich behindert,
                        z.B. beim Blick auf Ampeln.
                       

·        Ist das Fahrzeug neben dem Innenspiegel nur mit einem Außenspiegel (dem Linken) ausgerüstet, darf die Sicht beim Blick durch den Innenspiegel durch die Ladung nicht wesentlich beeinträchtigt werden.

 

·        Die Verkehrssicherheit darf durch die Beladung nicht leiden.

                        ð        Das ist natürlich eine wachsweiche, wenig konkrete Forderung.

 

 

 

 

3. Ladungssicherung / Befestigung

 

 

3.1 Allgemeines zum Canadier-Transport:

 

·        Wie bereits schon einmal erwähnt, werden Canadier am besten umgekehrt (kieloben) transportiert
(= stabilste Auflage auf den Trägern).
Die Träger in möglichst weitem Abstand voneinander montieren.

·        Problematisch könnte dieser Kieloben-Transport allerdings bei Wohnmobilen oder größeren Kastenwagen werden, wenn das Boot weit hochgezogene Spitzen hat (die Enden liegen u.U. auf dem Fahrzeugdach auf) oder bei PKW’s, wenn es durch die hohen Spitzen zu starken Sichtbehinderungen kommt.
In diesen Fällen, oder wenn man den Bootskörper als Gepäckbox benutzen möchte, muß man den Canadier auf dem Kiel transportieren.

 

 

3.2 Gurte und Knoten zur Befestigung:

 

·        Zur sicheren Befestigung von Booten haben sich ca. 25 mm breite Zurrgurte mit massiver Klemmschnalle aus Metall oder Ratschenspanngurte gut bewährt.

·        Gurte so stark bzw. nur so stark (Ratsche) anziehen, bis sich das Boot beim Rütteln am Süllrand nicht mehr auf dem Träger hin- und herbewegen läßt und die ganze Bewegung auf das Fahrzeug übertragen wird.

 

·        Expandergummis, Gepäckspinnen o.ä. sind zur Befestigung absolut ungeeignet und dürfen auf keinen Fall verwendet werden !!!

 

·        Das oder die Boote vorn und hinten zu der Abschleppöse oder der Stoßstange (mit Hilfe von separat angebrachten Stoßstangenhaken) mit stabiler Reepschnur (Æ mindestens 7 mm aus dem Bergsport) straff abspannen.

·        Es ist kaum vorstellbar, welche ungeheuren Wind-Kräfte am Boot angreifen, wenn man z.B. mit 100 Stundenkilometern über die Autobahn fährt, und es ist erst recht nicht vorstellbar, welche Gewalt ein Bootskörper entwickelt, wenn er sich bei dieser Geschwindigkeit vom Dach lösen sollte.
            ð        Das bedeutet, daß man im Interesse aller Verkehrsteilnehmer - vor allem aber um schreckliche Unfälle zu vermeiden - die
                        Dachlast Boot nicht nur hundert, sondern hundertfünzigprozentig sichert.

 

 

Alle Angaben ohne Gewähr

 

Anmerkung:
Wesentlich umfangreichere und detailliertere Informationen zu den gesetzlichen Bestimmungen zum Dachtransport, sowie Hinweisen zur Ladungssicherung und speziellen Tipps zum Transport von Booten stellt das „Canadier Handbuch“ bereit, das in gedruckter Form als 410-seitiges Taschenbuch im praktischen Format 12,3 x 19 cm zur Verfügung steht.

 

 

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© Ralf Schönfeld