erstellt:           April 1994
überarbeitet:  Oktober 2004

 

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Canadier und GPS Info - Seite
von Ralf Schönfeld

 

 

Das Stechpaddel

 

 

 

 

Definitionen

 

Paddel gibt es in 2 verschiedenen Ausführungen. Es wird grundsätzlich unterschieden zwischen:

·        Stechpaddel beim Canadier

·        Doppelpaddel beim Kajak

 

 

 

Das Stechpaddel besteht aus Blatt, Schaft und Knauf.

Begriffe am Stechpaddel

 

 

 

 

Knauf- und Blatt-Ausführungen

 

Sowohl beim Knauf als auch beim Blatt sind verschiedene Formen auf dem Markt.
Als Knauf findet standardmäßig der T-Griff bzw. Spatengriff Anwendung und ist für den universellen Einsatz zu empfehlen.
Eine Sonderform stellt der Palmgriff dar.
Beim Palmgriff ist der Knauf als „runder Knubbel“ ausgebildet, der sehr gut in die gekrümmte Handfläche passen sollte.

Holzpaddel mit Palmgriff haben häufig auch ein langes schmales Blatt, das zur ermüdungsfreien, kräfteschonenden Zurücklegung weiter Strecken auf großen Fließgewässern oder Seen dient. Es ist ein Genuß, wie diese Paddelblätter durchs Wasser schneiden.
Sie sind für den oben beschriebenen Einsatzzweck in den Händen eines versierten Paddlers vorgesehen (vor allem die extrem schmalen und langen Blätter).

Für uns Allroundpaddler bzw. den Paddelnovizen kommen eigentlich nur die mehr oder weniger rechteckigen Blattformen in Betracht, die eine Größe von ca. 20 x 40 cm haben, aus den unten aufgeführten Materialien gefertigt sein können und üblicherweise mit einem T-Griff ausgestattet sind.
Holzpaddel mit solchen Standardblättern haben teilweise auch einen Palmgriff.
Wer es allerdings im bewegteren Wasser/ Wildwasser einsetzen möchte, dem würde ich in diesem Fall eher zu einem T-Griff raten.

Bei der Wahl der Blattgröße für ein Allroundpaddel sollte man die eigenen Kraftreserven und Körperstatur berücksichtigen und nicht unbedingt das aller größte aussuchen.
Wenn verschiedene Paddel beim Kauf verglichen werden zudem auf das Gewicht achten, je leichter desto besser.

 

 

 

Materialien

 

Welches Material man bevorzugt ist zum einen abhängig vom persönlichen Geschmack, als auch von der Art des Einsatzes:

 

Holz

 

Das Holzpaddel ist vor allem bei den Wanderfahrern sehr beliebt. Es wirkt natürlich und paßt gut zum Charakter eines Canadiers.
Haupteinsatz auf Seen und tiefen Flüssen. Für verblockte und flache Bäche mit viel Grundberührung sollte das Blatt an der Unterseite mit einer Schutzkante versehen sein.
Am besten sind integrierte Kanten aus Alu oder Kunststoff. Aufgesetzte Kanten aus Blech oder Alu sind nicht so empfehlenswert, da sie mit der Zeit abstehen und die Verletzungsgefahr und die Gefahr der Beschädigung von Ausrüstung steigt.
Für den rauhen Einsatz im Wildwasser insgesamt weniger geeignet.
Hochwertige Holzpaddel sind sehr leicht und daher für die ermüdungsfreie Zurücklegung großer Entfernungen in ruhigerem Wasser in den Händen eines versierten Paddlers sehr geschätzt (haben dann meist langes schmales Blatt und Palmgriff).

 

 

Kunststoff

 

Die besonders preiswerten Paddel aus Polystyrol (PS) („Plastik“) taugen bestenfalls etwas als Kinderpaddel. Nicht empfehlenswert.
Es gibt aber durchaus Paddel mit Kunststoffblättern zu moderatem Preis, die erstaunlich widerstandsfähig sind.

 

 

GFK

 

Robust und widerstandsfähig sind Paddel mit einem Blatt aus GFK. Sie haben in der Regel einen Schaft aus Aluminium.
Die Blätter bestehen aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK-Laminat), der auf einen Aluminiumrahmen gepreßt wird.
Gegen Unterkühlung der Hand, infolge der hohen Leitfähigkeit von Metall, solte der Schaft mit isolierendem Kunststoff-Schrumpfschlauch überzogen sein.

 

 

Composit

 

Ausführungen in Compositbauweise sind ähnlich aufgebaut wie die GFK Blätter, sind jedoch aus mehreren verschieden Materialien zusammengesetzt, z.B. GFK außen, im Inneren ein Schaumkern und Aluverstärkungen.
Teilweise sind sie nicht besonders haltbar (hab jedenfalls schlechte Erfahrungen damit gemacht).

 

Kevlar

 

Sehr teure Paddel werden aus der nahezu unverwüstlichen Kevlar/Kohle-Aramid/Carbonfaser gefertigt (sowohl Blatt als auch Schaft). Zu erkennen sind sie häufig an der gold-gelben Farbe.

Derartige Blätter haben manchmal eine starke Kehlung. Diese sind in erster Linie für den Experten im Wildwasser-Canadier gedacht.

 

 

PU-Schaum   (RIM-Paddel)

 

Die Paddelblätter bestehen aus hochverdichtetem Polyurethan-Schaum, der Schaft aus Aluminium.
Die Blätter sind elastisch und dämpfen Schläge ab und sollen so das Handgelenk des Paddlers schonen.
Sie sind zwar ebenfalls robust, aber nicht so wie die aus GFK.
Ihre Lebensdauer/ Robustheit hängt sehr stark von der Fertigungsqualität ab. Innerhalb dem gleichen Hersteller und Modell sind da je nach Toleranzen in der Fertigung und Qualitätseinbrüchen große Unterschiede möglich. Die meisten Blätter werden mit der Zeit krumm (bekommen eine Kehlung), was aber keinen Einfluß auf die Lebensdauer hat.

 

 

 

Paddellänge

 

Ein Canadier sollte möglichst immer im Knien gepaddelt werden (die Vorteile und Gründe sind im Kapitel/ Seite „Grundlagen der Stechpaddeltechnik“ aufgeführt).
Standardmäßig werden Stechpaddel in einer Länge zwischen etwa 140 und 160 cm angeboten.

Als einfache Merkregel für die ungefähre Paddellänge kann folgender Anhaltswert genommen werden (gilt jedoch nur für ein Allroundpaddel bei knieender Haltung):

 

Das senkrecht auf den Boden gestellte Paddel sollte dem Canadierfahrer bis unter die Achselhöhle gehen.

Länger wie bis zu dem Kinn sollte das Paddel nicht reichen.

In der Regel werden den Leuten immer viel zu lange Paddel verkauft !!
In den Läden wird meist auch vom Sitzen im Boot ausgegangen, wo dann prinzipiell auch ein etwas längeres Paddel nötig ist.
Im Zweifel tendenziell immer zum Kürzeren greifen. Ein nicht zu langes Paddel ist entscheidend dafür, schnell und problemlos einen effektiven und sauberen Paddelstil zu erlernen.
Für den engagierteren Paddler gibt’s dann noch ausgefeiltere Methoden die Paddellänge festzulegen, die noch weitere Faktoren berücksichtigt.

 

 

Paddelbrücke

 

Das Paddel dient nicht nur zur Fortbewegung auf dem Wasser, sondern auch als Hilfsmittel zum Einsteigen in die ungewohnt kippelig und Paddelbrücke - Einsteigen ins Bootwackeligen Boote.
Das Boot längs zum Ufer ins Wasser bringen, den Bug gegen die Strömung gerichtet.
Die vordere Person hält das Boot fest, während die hintere Person mit Hilfe der Paddelbrücke einsteigt.
Hierzu das Paddel quer über das Boot über die Süllränder legen.
Beide Hände umgreifen den Paddelschaft und gleichzeitig die Süllränder.
Das Gewicht in Richtung Ufer verlagern, an dem das Paddelblatt flach aufliegt und sich abstützt.
Dann mit dem Fuß in die Mitte des Bootes treten.

Dann steigt die vordere Person auf gleiche Weise ein.

Beim Anlegen des Bootes (immer gegen die Strömung !!!) steigt zuerst die vordere Person aus, dann die Hintere.
Es ist in der Regel grundsätzlich immer gegen die Strömung An- und Abzulegen.

 

 

Anmerkung:
Wesentlich umfangreichere und detailliertere Informationen zum Thema Stechpaddel stellt das „Canadier Handbuch“ bereit, das in gedruckter Form als 410-seitiges Taschenbuch im praktischen Format 12,3 x 19 cm zur Verfügung steht.

 

 

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© Ralf Schönfeld