erstellt:           November 1993
überarbeitet:  Oktober 2004

 

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Canadier und GPS Info - Seite
von Ralf Schönfeld

 

 

Wehre               (ein Thema das alle Paddler angeht)

 

 

 

 

Warum sind Wehre so gefährlich ?

 

Wehre dienen der Regulierung und Kontrolle des fließenden Wassers.
Das gestaute Wasser kann Turbinen und Maschinen antreiben (Kraftwerke, Mühlen) oder zur Bewässerung benutzt werden.
Wehre sind sehr gefährlich und kommen nicht nur auf Wildflüssen vor, sondern noch viel häufiger auf an sich harmlosen Wanderbächen.
Das Problem ist meist nicht so sehr ihre Höhe, sondern die Walze oder die Rückströmung dahinter.
Grundschwellen, Staustufen, Floßrutschen und Wehre verschiedenster Bauformen laden  -  wegen der Unbequemlichkeit des Umtragens  -  gerne zur Befahrung ein.
Die Heimtücke mancher Anlagen fordert dabei mehr als ein Drittel aller tödlichen Kanu-Unfälle !!!

 

Wehre sind aus mehreren Gründen gefährlich:

 

·        Sie sehen oft harmlos aus und verleiten Unkundige zum Fahren.

·        Sie entwickeln im Bereich der Abrißkante einen unüberwindlichen Sog
(deshalb zur Erkundung nie zu dicht an die Wehrkrone heranfahren).

·        Sie haben oft durch Kanalisierung im Einzugsbereich keine Anlegemöglichkeit.

·        Sie halten durch Rückströmungen im Unterwasser (Rücklaufbereich) den Paddler im Boot oder auch den Schwimmer fest.

Strömungsverhältnisse an einem Wehr/ Rücklauf

·        Hilfeleistung ist schwierig und gefährlich.
Gelegentlich verunglücken/ ertrinken auch die Retter.

·        Ist ein Wehr ersichtlich harmlos, so kann gefahren werden.
Im gegenteiligen Fall wird selbstverständlich nicht gefahren.
In der Regel sind nur  -  wenn überhaupt  -  Schräg-,Bogen- und Stufenwehre befahrbar oder wenn das Wehr eine Bootsrutsche hat.
In jedem Fall ist aber allergrößte Vorsicht geboten.

·        Bei Hochwasser grundsätzlich alle Wehre umtragen.

·        Schwierig und gefährlich sind die Zweifelsfälle  -  im Zweifelsfall deshalb immer umtragen !!!

·        Aber grundsätzlich bedenken:    Ein Canadier ist kein Kajak !!!
Wo ein Kajak laut rumpelnd runterschruppt, ist das für einen Canadier aufgrund seiner Länge, des Gewichts und anderer Bootsmaterialien eine einzige Materialschlacht und Tortur (auch für die hochwertigsten und teuersten Materialien).

·        Manchmal geben Flußführer die Befahrbarkeit von Wehren an.
Dies ist mit Vorsicht zu genießen.
Die Verhältnisse ändern sich nicht nur durch die unterschiedlichen Wasserstände, sondern auch durch Treibgut und beispielsweise neu eingestellte Schütze.

 

 

 

 

Verhalten an Wehren

 

An Wehren empfiehlt sich folgendes Verhalten:

 

·        Sich die Wehre anhand von Flußführern einprägen.

·        Nie zu dicht an sie heranfahren (starke Sogwirkung).

·        Bei Hochwasser besonders sichere, weiter entfernte Anlegeplätze wählen.

·        Bei Hochwasser sind alle Wehre gefährlich.

·        Die Höhe des Wehres ist kein Gradmesser für die Stärke des Rücklaufs.

·        Im Zweifelsfalle immer umtragen.

·        Sie sind kein Tummelplatz für Pseudo-Wildwasserfahrten und Spielereien.

·        Unerfahrene auf die Gefährlichkeit eines Wehres hinweisen und aufklären.
Laien (Schlauchbootfahrer, Luftmatrazenschwimmer, Gelegenheitspaddler, usw.) sind überproportional häufig an Unfällen in Wehren beteiligt.
Zu spät wird erkannt, daß der Rücklauf eines Wehres eine tödliche Falle ist.

·        Wenn eine Gruppe Kajakfahrer (oder auch andere Canadierfahrer/ Paddler) ein Wehr befahren, nicht einfach blind links nachfolgen weil:

·        Das können unerfahrene Gelegenheitspaddler sein, die sich der Gefahr in die sie sich begeben, gar nicht bewußt sind (auch wenn die Boote und ihre Fahrer in Ehren ergraut aussehen).

·        Das können Experten sein, die sich das aufgrund ihres fahrerischen Könnens und ihrer Erfahrung zutrauen können, aber nicht Du (bei der Durchfahrt eines Wehres können ein paar Zentimeter weiter links oder rechts bezüglich Rücklauf oder Stromzunge entscheidend sein).

·        Und ich kann’s nur noch einmal wiederholen:
Ein Canadier ist kein Kajak !!!

 

Übrigens sollte sich grundsätzlich jeder gefahrenbewußte Kanusportler dazu verpflichtet fühlen, offensichtliche Laien anzusprechen und vor einer bevorstehenden Gefahrenstelle ausdrücklich zu warnen.

 

 

Anmerkung:
Wesentlich umfangreichere und detailliertere Informationen zur Thematik Wehre allgemein, sowie der Selbst- und Kameradenrettung stellt das „Canadier Handbuch“ bereit, das in gedruckter Form als 410-seitiges Taschenbuch im praktischen Format 12,3 x 19 cm zur Verfügung steht.

 

 

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© Ralf Schönfeld