erstellt: November 1998

Logo:
Canadier und GPS Info - Seite
von Ralf Schönfeld

 

 

Rückblick auf:

 

„Tagestouren auf dem Oberlauf des Neckar im Nov. '98

 

(21. - 22.11.98)

 

 

 

 

November = Schmuddelwetterzeit, aaber nicht diieses Wochenende.
Herrliche kalte Wintertage erwartete die von fern her angereisten Teilnehmer, nur die Sonne hielt sich etwas versteckt.

Eine, wenn auch nur dünne, Schneeschicht zierte die große Zeltwiese bei Horb auf der einsam am Waldesrand die diversen Zeltkonstruktionen zu bewundern waren.

 

Im Gemeinschaftszelt (die schon allseits bekannte und bewährte Spezial-Leichtgewichtskothe aus Schweden) bullerte der Yukon Ofen und spendete wollige Wärme, und die Kerzen an dem kunstvoll gewickelten Kerzenständer Made by Georg verbreiteten ein behagliches Licht.Lagerplatz
Ueli fand das Ambiente jedenfalls beschaulich und seine Erbauung war groß.
Etwas aufgehalten durch das obligatorische Verkehrsgewühle am Freitagabend um Stuttgart herum, stießen dann auch nach und nach Georg und Patrick zu der geselligen Runde mit Ueli, Sylvia und Ralf.
Lange noch wurde getratscht und mit Glühwein und diversen Lebkuchenleckereien klang dieser Anreisetag aus. Derweil strebte das Thermometer eilig auf die –10°C Marke zu.

 

Am Samstag morgen komplettierten dann Claudia und Lothar die unentwegte Paddlermanschaft.

Früh waren alle aus Ihren mollig warmen Schlafsäcken gekrochen und rechtzeitig setzte sich der Troß zur Einsatzstelle nach Horb in Bewegung.
Der Dauerregen der vergangenen Wochen und Tage bescherte uns einen sehr guten Wasserstand, flotte Strömung und unzählige interessante Schwallstrecken waren die Belohnung. Eifrig kurvten Georg und Lothar auch in die kleinsten Kehrwässerchen ein.
Unzählige Wasseramseln und Kormorane begleiteten unseren Weg auf dem idyllisch gewundenen Flußlauf durch die außerordentlich reizvolle leicht verschneite Landschaft nach Rottenburg.
Auch einer der seltenen Eisvögel präsentierte uns stolz sein stahlblaues Gefieder. Patricks sicherer Adlerblick erspähte darüber hinaus noch viel mehr inzwischen rar gewordenes Federvieh.
Kaum zu glauben daß diese Idylle keine 80 km weiter ab Plochingen einem häßlichen Industriekanal weicht.

 

Auch tagsüber waren die Temperaturen mit –6°C frostig zu nennen, zumal die Sonne sich zurückhaltend bedeckt hielt. Paddel und Boot überzogen sich mit einer zusehend dicker werdenden Eisschicht und jeder Ast oder Zweig der ins Wasser ragte schmückte sich mit einer schweren Eisglocke.
Ärgerlich nur, daß der Fotoapparat am Morgen auf dem Zeltplatz zurückblieb und dies nicht miterleben durfte.

 

SchwallstreckeGanz hart und erbarmungslos zu sich selbst war Lothar. Sein Herz fürs C1 fahren entdeckt, ließ er es sich auch heute nicht nehmen in der kleinen Tupperware den Bach hinunterzudümpeln. Schon nach kurzer Zeit glänzte und spiegelte seine Paddeljacke in modischem Glitzerlook und nach einer eher unfreiwilligen Eskimorolle glich die Schwimmweste eher einer eisernen Ritterrüstung als einer Schwimmhilfe.
Ein bißchen anders aber nicht viel besser erging es Patrick. Eine kleine Unachtsamkeit mit den unförmigen Winterstiefeln beim Aussteigen an glitschigen Steinen bescherte ihm ein unfreiwilliges Fußbad.

 

Derweil kämpften Claudia und Ralf tapfer gegen die immer kälter werdenden Finger an. Die empfindlichen Grabschwerkzeuge hatten sich einfach noch nicht auf die kältere Winterszeit eingestellt (vielleicht war auch nur die Wahl der geeigneten Handschuhe nicht ganz geglückt – eigentlich hätte man ja alles).
Aber heißer Tee, leckere Kekse und sonstige Köstlichkeiten bei den Pausen ließen solche nebensächlichen Dinge schnell vergessen.
Für alle viel zu schnell tauchte unsere Aussatzstelle bei Rottenburg auf, obwohl mit 19 km die Etappe angesichts des kurzen Tageslichtes um diese Jahreszeit so kurz auch nicht gewählt war.

 

Als sich dann Lothar bei voll aufgedrehter Standheizung seiner widerborstigen Rüstung entledigte, verwandelte sich Georgs Bus im nu in eine finnische Rauchsauna, jedenfalls waren die Scheiben von innen zentimeterdick beschlagen und auch die Sicht im Innern selbst war erheblich eingeschränkt (der müffelnde Neoprengeruch wird hier nicht näher beschrieben).
Am Abend ließ man sich dann wieder im Spezial-Tipi bei urgemütlicher Wärme gutgehen und ersetzte die verbrauchten Kalorien großzügig durch allerhand Mampfbares das auf den diversen Kochern und Öfen vor sich hindampfte.

 

RastDer Sonntag morgen überraschte uns dann mit einer zarten pulvrigen Neuschneeauflage.
Nach einem stärkenden Frühstuck wurde rasch das Lager abgebaut und die Paddelstrecke von Sulz nach Horb mit etwas dezimierter Mannschaft in Angriff genommen (Ausfall natürlich nur aus familiären Anlässen, keine darwinsche Selektion). Und diesmal durfte auch die Knipsmaschine mitreisen.

 

Dieses 17 km lange Teilstück des Neckars verwöhnte uns ebenfalls mit flotter Strömung, herrlichen Schwällen und reizvoller Natur; eben so, wie wir es es schon vom Vortag gewöhnt waren. Der Fahrspaß kam auf jeden Fall wiederum nicht zu kurz.

 

Obwohl längst schon wieder aufgetaut, zog es Lothar an diesem Tag doch lieber vor mit Ralf im Zweier-Canadier mitzufahren, zumal die Temperaturen nochmals um einige Grad nach unten abgesackt waren (welch Glückes Geschick für ihn, daß Claudia einen weiten Nachhauseweg hat und schon am Vormittag abgefahren ist).
Jedenfalls waren die Bootsleinen am “Trip” steif wie ein Drahtseil und an ein Öffnen der Knoten war überhaupt nicht zu denken.
Viel zu rasch kam das malerische, an steiler Bergflanke gebaute Städtchen Horb in Sicht, und wie zum Abschied zeigte sich die Sonne und ließ die Szenerie in warmen Farben erstrahlen.
Hochzufrieden über dieses gelungene und erholsame Wochenende machten sich jetzt auch die letzten Teilnehmer auf die Heimreise.

 

Zurück zur Tourenübersicht

 

 

 

Copyright beim Verfasser:                                 Zurück zum Seitenanfang                                  Zurück zur Canadier und Paddel Info-Seite
© Ralf Schönfeld