erstellt: Januar 1998

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Canadier und GPS Info - Seite
von Ralf Schönfeld

 

 

Rückblick auf:

 

 

„ Wintertour auf dem Ognon '97 “

 

Canadier-Gepäckfahrt auf dem Ognon (F) vom 26. - 31.12.97

 

 

 

 

Alle Jahre wieder ist Weihnachten und alle Jahre wieder beladen wir zwischen den Festtagen und dem Neuen Jahr unsere Canadier mit Zelt, Schlafsack und etwas Verpflegung, um den geheizten Wohnstuben zu entfliehen und die Tage im geselligen Kameradenkreis in der Natur zu verbringen, eben da wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen.

Schwallstrecke auf dem OgnonWiederum fiel die Wahl auf den Ognon im benachbarten Frankreich.
Zeigten uns letztes Jahr die Naturgewalten mit Temperaturen um minus 25 Grad die Zähne, so erwartete uns in diesem Jahr mildes Regenwetter um den Gefrierpunkt, aber dafür ein Wasserstand, den man schon zur Kategorie Hochwasser rechnen kann. Jedenfalls waren die Wiesen in dieser noch ursprünglichen Landschaft teilweise großflächig überflutet.

Neben Stefan, Georg und Ralf bereicherten wieder Lothar + Moni nach einem Jahr Wintertour-Abstinenz erfreulicherweise die Runde.

Bevor die flotte Strömung die schwerbeladenen Boote mit den erwartungsvollen Heroen auf und davon trug, wurde an der Einsatzstelle in Lure nochmal kräftig gespätstückt, gewissermaßen als Auftakt zu den Freßorgien der nächsten Tage, aber dazu menüweise später.
Jedenfalls spendierte Stefan an diesem regnerischen Morgen frisches Baguette, geräucherten Lachs und Champagner (oder war’s doch nur Sekt ?).

 

Die anschließende Paddeletappe ließ keine Langeweile aufkommen. Naturstufen, Sohlschwellen, zahlreiche enge Kurven, unterspülte stachelige Weidezäune und gelegentliche Baumhindernisse bei dem satten Wasserstand und der starken Strömung bereiteten viel Fahrspaß, erforderte aber sicheres und konzentriertes Agieren, zumal man nach Kehrwassern vergeblich Ausschau hielt.

Furchtlos und mutig versuchte Ralf das Geschehen so gut es ging mit der Knipsmaschine festzuhalten; auch als der GOC-Häuptling Stefan in Lagerplatz mit den 2 "Tippis"Underwear-Leggins und mit Pelzmütze vor seinen Kriegern stand. An einer Schwallstrecke hatte er etwas zuviel Wasser geschöpft und die Winterstiefel und Hose leicht geflutet.

Leider stellte sich erst am nächsten Tag heraus, daß der Film knausrig eingelegt war und nicht weitertransportiert wurde. Aber so ist es eben, wenn man versucht aus einem 36-er Film 40 Bilder herauszuholen  -  die schwäbisch sparsam-geizige Herkunft kann man halt nicht verbergen.

 

Am späten Nachmittag wurde dann in einem uns schon gut bekannten Wäldchen das Nachtlager errichtet.
Ruckzuck waren die beiden bewährten “Speziool Tipi-Kothen” schwedischer Herkunft aufgestellt. Die kleinere Ausführung von Ralf als gemeinsame Schlafstätte für unser Grüppchen, die größere von Stefan als Aufenthalts- und Speisesaal, stilvoll outgefittet mit Yukon-Ofen, armdicken Ofenrohren und kunstvollem 3-armigem Kerzenleuchter made by Georg.

Und da wir alle nicht mehr so ganz die Jüngsten sind, hockten und kauerten wir diesmal nicht kreuzunfreundlich auf Tonnen und Fässern herum, sondern platzierten unsere Gesäße auf bequemen, mit Rheumafellen kaschierten, scheußlich blauen Klappstühlen. Aber das war auch so ziemlich der einzige Luxus den wir uns gönnten, sonst gaben wir uns ganz der kargen Bescheidenheit hin.

 

Wir schrieben den 26.12.  -  2.Weihnachtsfeiertag. Angesichts des festlichen Tages wurde ein fürstliches Dinner zelebriert.
Zunächst ein Frühlingssüppsche, dann Wildschweinkeule und -filet mit Rotkraut, Kartoffelklöße a la Paris (eben die in den Plastiktütchen), Preiselbeeren und Williamsbirnen (ausnahmsweise mal nicht in flüssiger Form). Lothar ist eben ein Virtuose am Kochlöffel  - und das alles auf dem kleinen quasi einflammigen holzbefeuerten Yukon-Öfelchen.
Zu späterer Stunde gab es dann mit Rum flambierte Bananen an Honigmandeln. Moni verwöhnte uns mit selbstgemachtem Weihnachtsgebäck und mit Orangen und Mandarinen verfeinertem Glühwein. Rülps, oh pardon  -  wie peinlich.
Aber damit das nicht öfters passiert wurde nach 4-stündigem Magenquälen destillierte heimische Früchte und schottisches Getreide gereicht und ab und zu auch mal Zubereitung Menüzwischendurch  -  selbstverständlich wurden aber immer nur “wänzige Schlöckchen” injiziert.

 

Ach so, natürlich sind wir am nächsten Tag auch weitergepaddelt, aber konsequenterweise erst nach stärkendem Frühstück (jawohl, Frühstück !). Auch diese 2. Etappe war sowohl landschaftlich als auch paddeltechnisch interessant und abwechslungsreich.

Eine überflutete Wiese war uns beim Umtragen eines unfahrbaren Wehres äußerst hilfreich. Auf dem Wasserpolster konnten wir die nicht unleichten Boote bequem treideln.
Trotzdem zwang uns die Anstrengung zu einer wohlverdienten Rast. Von Georg’s genialem holzbetriebenen Outdooröfelchen wehte uns schon nach kurzer Zeit ein verlockender Glühweinduft um die Nase und gierig wurde Lothar’s leckerer Wurstvorrat dezimiert (selber Schuld wenn er Metzger ist und so leckere Speisen produziert !).

Glücklicherweise hielten tagsüber Petruses Schleusen halbwegs dicht.

Es dünkelte schon als wir das zweite Nachtlager bei Villersexel aufschlugen und waren froh auf mitgebrachte Holzvorräte zurückgreifen zu können.

Im Supermarkt des kleinen Städtchens zogen dann Lothar und Ralf die Blicke auf sich.
Warum und weshalb ist uns allerdings bis heute noch ein Rätsel. An der eleganten vornehmen Bekleidung mit dezent dunklen Wachscotton-Mänteln und seriös wirkenden Designer-Hüten kann’s ja kaum gelegen haben, höchstens vielleicht wegen der kleinen Wasserpfützchen die sich unter den beiden Ärmstigen bildeten.
Oder sollte man sie womöglich wegen der zwei 5 l-Kanister Rotwein und dem 24-er Pack Mini-Flaschbier fälschlicherweise mit Clochards oder Bahnhofspennern verwechselt haben ?

Mit Rindsklößchensuppe, Bratkartoffeln nach Muttern-Art und selbstgemachten Lothar’schen groben Bauernbratwürsten fiel das Mahl an diesem Abend etwas einfacher, aber nicht minder wohlschmeckend aus (Weihnachtsguzzlen, Kekse, Schokolade, Herthas köstlicher Rotweinkuchen, diverse ätzende und brennbare Flüssigkeiten und sonstige lebenswichtige Zutaten sind selbstverständlich obligatorisch und werden hier nicht mehr extra erwähnt).

 

Noch ein schöner langgezogener Schwall gleich nach dem Übernachtungsplatz und dann verließen den Ognon die strömenden Kräfte.
Nur wenige Naturstufen erfreuten am 3.Tag die Paddlerherzen, aber dafür wurde uns verstärkt die Möglichkeit geboten beim “Grundschlag-Vorwärts” die Armmuskeln zu stählen.

Das Aufbauen unserer Mini-Zeltstadt ging nun immer schneller von der Hand.
Während Moni, Georg und Ralf die “Speziool-Tipis” aufstellten und wohnlich einrichteten, suchten Stefan und Lothar fleißig und mit sicherem Blick trockenes Holz, sägten und spalteten es.

Stufe bei BonnalDringend nötig, denn das Zubereiten von Rindfleischsüppsche, Bauernhochzeitsspätzle und Rindfleischfilets an Cognacrahmsauce verschlang schon einige Holzscheite.
Und als es dann zum Nachtisch Crepes a la Schorsch gab (halt die allseits bekannten und geschätzten schmackhaften Pfannkuchen die Georg immer macht  -  aber schließlich sind wir ja in Frankreich) und rumflambierte Preiselbeeren, glich der Speisesaal eher einem Saunazelt.
Aber durch das durchdachte Lüftungssystem der Zelte und einem einfachen aber wirkungsvollen Eingriff in die Ofentechnik war dies letztendlich auch kein Problem.

 

Trotz des immer noch guten Wasserstandes wurde die Weiterfahrt immer zäher.
Willkommene Abwechslung bietet jedoch jedes Jahr die kurze aber interessante wildwässrige Stufe beim Wehr in Bonnal.
An diesem 4. Paddeltag zeigte sich zum erstenmal die Sonne und tauchte die verträumt wirkende Landschaft in ein phantastisches warmes Licht.

Kurzentschlossen nutzten wir den Schönwettereinbruch, ließen uns bei einer Umtragestelle zu einer kurzen Glühweinrast überreden und verschnabulierten dabei selbstlos Moni’s letztes Weihnachtsgebäck.

 

Einen schmalen Wiesenstreifen zur Übernachtung fanden wir diesmal und eng schmiegten sich unsere Tipis an die steile Bergflanke.
Fleißig wurde wieder Holz gesammelt und es blieb uns noch genügend Zeit für eine kleine Wanderung und der Erkundung einer dreckigen, lehmig schmierigen Höhle bevor die Dunkelheit hereinbrach.

Für den tapferen Einsatz wurden wir mit Grießklößchensuppe, gedreht gewickelten Spiralnudeln und Rollschinken in feinwürziger Bratensauce belohnt.

 

WehrAm nächsten Morgen kommt, wie schon am vergangenen, etwas Winter-Feeling auf.
Ne, ne, geschneit hat es leider nicht, aber das Quecksilber zeigte doch endlich einige Grad unter dem Gefrierpunkt an; Rauhreif zierte die Wiesen und die Pfützen waren mit einer ansehnlichen Eiskruste überzogen.
Noch gelähmt vom Entsetzen des Erlebten bzw. den Erzählungen über die erbarmungslos grausame Kälte des letzten Jahres nächtigten Stefan, Lothar und Moni für diese Verhältnisse etwas over-equipt in gefriertruhentauglichen, arktiserprobten Schlafsäcken.
Georg und Ralf dagegen setzten auf die Launen des Wettergottes, hatten die voluminösen Daunenberge zu Hause gelassen und vertrauten auf die Winterqualitäten ihrer Sommerkuscheltüten.

 

Der 5. und letzte Paddeltag war angebrochen. Wir genossen die Ruhe und ließen uns des öfteren von der trägen Strömung treiben.
Bis zum anvisierten Endpunkt der Tour war es nicht mehr weit. An einer Quelle konnten wir nochmals unsere Wasservorräte ergänzen und die letzten Tropfen Paddy’s machten die Runde  -  einfach leer die Pulle, eigentlich unverständlich.

Die Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz war anschließend nicht ganz so einfach (ach was, natürlich nicht wegen dem Paddy sondern alles Privatbesitz  -  was habt Ihr nur für ne fiese Charakter), aber schlußendlich waren wir mit unserer Wahl doch sehr zufrieden.

 

Crepes a la SchorschZum Abschluß wurde nochmal ein richtiges Schlemmermenü eingeworfen.
Hühnernudelsüppsche, handgerollte Rindsrouladen nach Schwarzwälderart, Kartoffelschaumpüree und Erbsen und Möhrschen.

Die Produktion von Georg’s Crepes a la Schorsch zum Nachtisch brachte uns dann alle wieder ordentlich ins Schwitzen.
Die runden Dinger wollten und wollten einfach nicht braun werden, aber ersatzweise dafür hatten Ofen und Rohre glühend rote Bäckchen  -  verkehrte Welt  -  es ist halt alles nicht mehr so wie früher.

 

Ungewohnt hektisch war dann das Frühstück am nächsten Morgen. Aber es ist Sylvester  -  wir müssen an die Heimreise denken.
Unsere Fahrzeuge hatten wir zu Beginn der Tour hier in der Nähe abgestellt. Schnell waren sie geentert, das Lager abgebrochen und das Gepäck verladen.

Schwer fiel der Abschied, aber wir freuen uns schon wieder aufs nächste Jahr.

 

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© Ralf Schönfeld