erstellt: Januar 1997

Logo:
Canadier und GPS Info - Seite
von Ralf Schönfeld

 

 

Rückblick auf:

 

 

„ Altrheinarme bei Ottenheim vom 04. - 05.01.97 “

 

 

 

Wenige Tage später halten wir also wieder die Paddel in den behandschuhten Händen.

"Badischer Dschungel"Treffpunkt und Ausgangspunkt für die 2-tägige Gepäckfahrt ist beim Gasthof Anker in Ottenheim.
Äh, äh, nix Einkehr und schluck schluck, sondern nur Treffpunkt beim Gasthof.
Neben Sibylle, unserer Scouteuse, der bewährten Ognon-Wintermannschaft bestehend aus Stefan, Georg und Ralf haben auch Monika und Lothar sowie Joachim den Weg an den Rhein gefunden.
Ja, und Joachim kniet nach jahrelangem C1-Einsatz erstmals wieder in einem „richtigen“ Canadier,
nicht in Neopren-Shorts und Wildwasserhelm, sondern mit Anorak und Zipfelmütze - ein ganz ungewohntes Bild.

 

Und heute ist der 04.01.97, ein besonderer Tag - Moni hat Geburtstag.

Nach dem zwangsläufig notwendigen Umsetzen der Fahrzeuge, trägt uns die zunächst muntere Strömung des Mühlbaches in den „badischen Dschungel“.

Enge Kurven, umgestürzte Bäume, seenartige Erweiterungen, unzählige gefiederte Urwaldbewohner und die gute Stimmung im Kameradenkreis gestalten die Fahrt durch die urwaldähnlichen Auwälder kurzweilig.

 

Eine kurze Umtragestelle wird willkommen sogleich für eine ausgiebige Vesperpause genutzt.
Die von Stefan spendierte Flasche Sekt muß zu Ehren unseres Geburtstagskindes ihr Leben lassen und macht die Runde.
Allerdings müssen die diversen Becher und Tassen hurtig leergeschlabbert werden, denn das prickelnde Naß kristallisiert ruckzuck zu Eis.
Leckerer Speck, duftende Würste, köstliches Weihnachtsgebäck und Kuchen wird gegenseitig ausgetauscht und weggeputzt.
Zum Schluß wird dann das Ganze mit brennbaren Flüssigkeiten aus sorgsam umhüteten Fläschen heruntergespült.

Schneefall

So gestärkt kann dann die Fahrt auf dem Wasserlabyrinth der Altrheinarme frohgelaunt weitergehen; wenn nur das riskant-gefährliche Einsteigen in die Boote nicht wäre   ---    ne,ne,ne, falsch gedacht.
Nicht die inhalierten ätzenden Getränke trüben unseren Gleichgewichtssinn, sondern das flache Ufer ziert eine stattliche Eisdecke.
Aber das Problem wird gelöst, indem wir uns alle in Klippenstart-Manier von Joachim über die trügerisch tragende Eisdecke ins Wasser schieben lassen.

 

Es sind nur wenige Grade unter dem Gefrierpunkt und heftiger Schneefall setzt ein.
Im Nu sammelt sich eine mindestens 10 cm dicke Schneeschicht in den Booten und die wetterfest verpackten Paddleusen und Paddler ähneln mehr Schneewittchen als wildentschlossenen Outdoor-Haudegen.

Um sich dem unnötigen Ballast während der Fahrt zu entledigen, wird eine zünftige Schneeballschlacht vom Zaun gebrochen; jeder gegen jeden.

 

Eine lange, extrem niedrige Brückendurchfahrt sorgt dann nochmal für Spannung und nen Adrenalinschub.
Georg und Ralf werden von den lieben Kameraden „geopfert“ und zur Erkundung vorausgeschickt.
Als der „Trip“ nur bei der Ausfahrt mit dem Heck etwas an der niedrigen Betondecke hängenbleibt, folgen die anderen Gesellen, flachgeduckt mit der Nasenspitze auf dem Bootsboden, nach.

Lagerleben

Da die gesamte Umgebung Naturschutzgebiet ist, dürfen wir auf dem Privatgelände eines Vereins bei Ichenheim ausnahmsweise unsere Zelte für die Nacht aufstellen.

Vermutlich argwönisch beäugt von herumstreunenden naturschützenden Rächern des Waldes, Jäger werden sie wohl genannt, nehmen die unterschiedlichsten Konstruktionen Gestalt an.

Georg und Ralf übernachten in Georg’s selbstgenähtem Pyramiden-Rauchzelt, Sibylle vertraut sich einem konventionellen Leichtgewichts-Iglu an, Joachim errichtet einen, einer Hundehütte nicht unähnlichen, Stoffverhau Marke Selfmade und Moni, Lothar und Stefan loggieren fürstlich in Lothar’s neuem Camp-Fire-Zelt, stilecht mit zusammenlegbarem Yukon-Ofen und armdickem Ofenrohr ausstaffiert.

Auf jeden Fall bietet es uns allen am Abend mollige Wärme (natürlich relativ) und für die Lagerfeuerromantik sorgt, wie so oft, das Outdooröfelchen Patent Georg.
Derart und gewissermaßen 2-flammig ausgestattet, zelebriert uns Lothar ein köstlich mundendes Mahl von selbstgemachtem Gulasch und Teigwaren.

Und damit das alles bekommt, wird Fertig-Glühwein verfeinert mit dem, wieder zum Leben erwachten, einst eingefrorenen Vin de Pays aus dem 5 l Kanister der Ognon-Wintertour gerreicht und mit direktimportiertem Wodka aus der Mongolei runtergeschwemmt.
Diese seltene Gelegenheit (den mongolischen Wodka) verdanken wir unserem ungemein freundlichen und hilfsbereitem Gastgeber Horst, der uns am Abend besucht.

 

Zum Frühstück werden dann die obligatorischen Nudeln mit Eier und Speck serviert.
Nur Joachim bevorzugt lieber vegetarisches und müffelt genüßlich seine Marmeladenbrote.

Anschließend wird, nun voller Tatendrang, das Lager abgebaut, die Boote beladen, zur Einsatzstelle geschleift und mit kraftvollen Paddelschlägen trotzen wir der stromlosen Strömung.

Lautlos gleiten die Boote durch die idyllisch verschneite einsame Winterlandschaft.
Schnee ist in der wärmsten Region Deutschlands nahe des sonnenverwöhnten Kaiserstuhls schon eine kleine Sensation.
Ein paar seichte Stellen und einige schon fast wildwässrig zu nennende flottere Teilstücke beleben die Fahrt, ehe wir bei Goldscheuer unsere Boote aus dem Wasser zerren und auf ein vergnügliches Wochenende im Kameradenkreis zurückblicken.

 

Zurück zur Tourenübersicht

 

 

 

Copyright beim Verfasser:                                 Zurück zum Seitenanfang                                  Zurück zur Canadier und Paddel Info-Seite
© Ralf Schönfeld