erstellt:           November 2000
aktualisiert:    07. Dezember 2000

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Canadier und GPS Info - Seite
von Ralf Schönfeld

 

 

Rückblick von Christian auf:

 

 

„ Gepäckfahrt auf der Pegnitz  Nov. '00

 

Canadier-Gepäckfahrt auf der Pegnitz in der Fränkischen Schweiz vom 01. - 05.11.00

 

 

 

 

Die GOC-Leute waren wieder einmal unterwegs:
Spät im Jahr wie immer, aber nicht das letzte Mal.
Diesmal durfte ich  -  Mitglied der Bayerischen Einzelpaddler  -  an der Pegnitz 4 Tage (und 4 Nächte) lang mitfahren und erleben, wie schön eine Gepäck-Fahrt Anfang November sein kann, wenn man richtig ausgerüstet ist.

(GOC = German Open Canoe = der einzige Verein mit ausschließlich Canadier-Fahrern)

 

 

 

Die Voyagers

Man wollte  -  um nicht aufzufallen  -  mit möglichst wenig Booten und Zelten unterwegs sein und deshalb ergab sich zufällig die Zahlenspielerei  "8 Mann/Frau in 4 Booten und 2 Zelten".
Wie zu erwarten, waren wir weit und breit die einzigen auf dem Wasser.
Geführt war die Fahrt vom Wanderwart Ralf und vom Kanukursleiter Georg.
Bei soviel Kompetenz war von Anfang an kein Platz für Zweifel am Gelingen.
In einem weiteren Boot saßen Wolfgang und ich und damit waren die 4 Mann im ersten (Vereins-)Tipi beisammen.
Das zweite Tipi gehörte Bärbel und Ottmar, welche Erika und Andreas bei sich aufnahmen.

 

 

 

Landschaft, Topografie

Auf der Pegnitz

Die Pegnitz ist ein schmaler, zum Teil sehr gewundener Wiesenfluss mit flotter Strömung.
Bis Hohenstadt fließt sie durch ein enges, malerisches Tal.
Immer wieder ragen links und rechts fränkische Fachwerkhäuser und Felsenwände aus den bewaldeten Steilhängen heraus.
Die Bahnlinie Nürnberg – Bayreuth führt ziemlich geradlinig durch Tunnels und über Brücken.
Sie ist stark befahren, was bei der Auswahl der Zeltplätze rechtzeitig bedacht werden muß (nächtliche Güterzüge sind auf Brücken besonders laut).
Leider unterbrechen viele Wehre den Lauf.
Ab Hohenstadt weitet sich das Tal, die Pegnitz fließt weiter in vielen Schlingen mit lebhafter Strömung und einigen Schwällen.
Hier sind nicht mehr so viele Wehre, dafür aber manchmal Buschverhau und umgestürzte Bäume.
Eine schöne Fahrtbeschreibung von Hans Lengdobler ist zu finden unter http://home.t-online.de/home/h.lengdobler/page25.htm  „Pegnitz - Gepäcktour mit Zugbegleitung“.

 

 

 

Jahreszeit, Wetter, Temperatur

Gewundener Flußlauf

Der November ist für viele ein zwar ungewöhnlicher, aber durchaus angenehmer Monat:
Es ist niemand mehr unterwegs, mit einem ausreichenden Schlafsack sind die Nächte noch nicht extrem kalt und im Oktober und erst recht im November hat kaum ein Bauer mehr etwas dagegen, wenn auf einer Wiese Zelte aufgebaut werden.
In einer einzigen Nacht wird zwar der Boden nicht so sehr verdichtet und wenn doch, friert er über den Winter wieder auf.
Das Gras wächst ohnehin im nächsten Frühjahr neu.
Lediglich die Wassertemperatur  -  da hilft nur sauber und konzentriert fahren und nicht hineinfallen.
Das Wetter war gut: Sonne, Wolken, manchmal etwas trüb und einmal kurz leichter Regen.
Die Temperaturen waren angenehm, kein einziges Mal waren Handschuhe oder Wollmütze notwendig.

 

 

 

Wasserstand/ Fließgeschwindigkeit

Der Wasserstand ist zu dieser Jahreszeit meistens ausreichend und war in diesem Jahr besonders gut, was uns durch das munter fließende Wasser vollen Fahrspaß gewährte  -  und das durchgehend vom Anfang in Neuhaus bis zum Ende in Lauf, was man nicht von jedem Fluß sagen kann.
Unzählige Schlingen bei teilweise recht flotter Strömung ließen keine Langeweile aufkommen und einige Kurven mit gleichzeitig überhängenden Bäumen, Schwall und Hindernissen im Wasser, erforderten Aufmerksamkeit und konzentriertes Fahren.

 

 

 

Wehre und Baumhindernisse

Die Pegnitz ist ist  fahrtechnisch interessant und kurzweilig, aber nicht schwierig.
Sie ist aber ein „wehrhafter“ Fluß.
Am ersten Nachmittag waren von Neuhaus  bis Enzendorf 4 Wehre zu überwinden.
Den Begriff „umtragen“ habe ich bewußt nicht verwendet.

Kleines Wehrhindernis

Dreimal standen wir an der schwach überronnenen Wehrkrone und hievten mit 2-4 Mann die schwer beladenen Canadier direkt über steinige Schrägrampen, Wasserrinnen oder einmal sogar über eine 1m hohe senkrechte Stufe ins Unterwasser.
In den folgenden Tagen waren es weniger und leichter zu überwindende bzw. zu umtragende Wehre, die Boote konnten beidseits von Hand zu Hand über steile Uferböschungen gewuchtet werden.

Zweimal wurden die Boote ausgeladen  -  mit 8 Personen in einer Kette war auch das umfangreichste Gepäck ruckzuck aus dem Boot über die Uferböschung und wieder zurück transportiert.
Diese Tour hat mir eine völlig neue Sicht auf das Thema "Umsetzen" gegeben.
Auch vom Nutzen hoher Gummistiefel bin ich jetzt überzeugt.

Mehrmals versperrte ein Baumhindernis oder ein quer über den Fluß aufgestauter Dreckhaufen aus Ästen, Holzlatten, Plastikteilen, Äpfeln und was noch alles den Weg.
Glücklicherweise war die Strömung nicht so heftig, so daß mit Geduld vom Boot und vom Ufer aus jeder Dreckhaufen aufgelöst bzw. mit Hilfe der Säge eine Durchfahrt freigeschnitten werden

konnte.
Eine „giftig“ schneidende Stichsäge sollte schon dabei sein.
Stichsäge deswegen, damit man auch an eng sitzende Äste herankommt.

 

 

 

„Das Zelt und der Ofen“

Die GOC´ler lieben neben Bill Mason´s Campfire Tent vor allem ihr Schweden-Tipi.
Der Nachteil eines Tipi ist bekannterweise, daß man entweder drinnen oder draußen ist.
Soll heißen, leicht windige Sommerabende mit evtl. leichtem Regen auf der „überdachten, windgeschützten Terrasse des Campfire-Tent“ sind nicht drin.
Für Touren in der Übergangszeit oder gar im Winter gibt es aber keine Alternative zum Schwedentipi, es ist ideal.
 
In Kürze die Fakten:
Mit einer Schnur 8 Häringe im Kreis stecken, (1) Zeltstange zusammenstecken, Zelt ausrollen, Stange in die Mitte rein, aufrichten, 8 Spannleinen in die Häringe einhängen und auf Zug bringen.
Bei starkem Wind können die Wände zusätzlich abgespannt werden.
"Schneelappen" ringsum halten den Wind am Boden ab.
Senkrechte Wände rundum fehlen, die schräge Bahn geht bis zum Boden und der Platz kann für Gepäck genutzt werden.
Nach spätestens 10 Minuten steht das Zelt und man ist gerettet vor Regen und Wind.
Die Stange in der Mitte stört nicht, denn dort wird später sowieso der Ofen aufgestellt.
Drum herum ist Platz für bis zu 6, evtl. auch 8 Schlafplätze oder bis zu 12 Sitzplätze.

Das Gefühl, nicht ausreichend Stehhöhe zu haben, kommt gar nicht auf, in der Mitte ist das Zelt 3 m hoch.
Ganz oben sind mit Schnüren regulierbare Lüftungs-Öffnungen angebracht, was sogar offene Feuer ermöglichen würde.
Für das Ofenrohr gibt es eine eigene Öffnung.
Weil das Zelt aber keinen Boden hat, kann man überall mit normalen Schuhen herumgehen, einen Ofen aufstellen, ein Feuer machen, Tische und Stühle aufstellen usw.
Es liegt genügend Feuerholz herum, um die Schuhe auszuziehen und die Füße zum Wärmen draufzulegen.
Nur unter Isomatte / Schlafsack braucht man eine saubere Unterlage und legt dann eine Plane aus.
Das Zelt sieht unglaublich zünftig aus und wiegt nur 11,5 kg  -  Herz, was willst Du mehr.
Alle anderen derartigen Zelte sind dagegen nur 2. Wahl.

Am Lagerplatz

Ein Schwedentipi ohne Ofen ist erst die halbe Seligkeit.
Der Ofen ist ein Rohr mit Feuerrost, Rauchabzug und Ofenrohren.
Die geniale Luftführung durch verschiedene Öffnungen erhitzt die gesamte Fläche unter dem Topf gleichmäßig und ist ein Patent von Georg Petz.
Der Ofen ist in maximal 10 Minuten aufgebaut, brennt gut an und entwickelt schnell und mit wenig Holz ausreichend Wärme zum Heizen UND Kochen.
Natürlich gehört dazu der rußgeschwärzte Topf und die Pfanne.
Die Ofenrohre werden an der Tipistange angeclipst und durch eine Öffnung ins Freie geführt.

Ein ebenfalls an der Tipistange angeclipster Kerzenhalter für 2 Kerzen gibt ausreichend Licht und die Kerzen sind auch ein guter Starter, wenn zu spät nachgelegtes Holz nicht gleich brennen will.
Zuletzt noch ein oder zwei Haken zum Aufhängen der Küchentücher, Hüte etc. und die Ausrüstung ist perfekt.
Alles zusammen hat in einer großen Tonne Platz.
So überleben die GOC´ler bei guter Laune auch zweistellige Minusgrade (nachdem sie den ganzen Tag lang bei den gleichen Temperaturen mit dem Kanu unterwegs waren).
Eine Kleinigkeit sollte nicht vergessen werden:
Erst auf einem Stuhl mit einem Fell drauf  wird es wirklich bequem.
Immerhin sitzt man den ganzen Abend lang.
Das Fell ist wichtig, weil die dünne Stuhlbespannung den alternden Rücken zwar stützt, aber auskühlen läßt.
Man sollte auch ausreichend aufrecht sitzen können zum kochen und essen !

 

 

 

Homepage von Ralf Schönfeld und Kurse von Georg Petz

Im November sind die Abende lang, aber es gibt genügend viel zu diskutieren und zu bereden.
Zum Beispiel das Thema: "Man kann das ganze Jahr über fahren, man sollte nur nicht ins Wasser fallen  -  also gut genug fahren können“.
Wir Canadierfahrer haben wegen des anderen Bootes eine andere Sicht auf manche Problemstellung.
Eine sehr gute Hilfe sind hier die Internetseiten von Ralf Schönfeld:

http://home.germany.net/100-501368/a-canadierseite.htm , mit einer Vielzahl von Informationen zu Fahrweise und Sicherheit.
Auch das Kapitel „Dachgepäckträger" ist das Ausführlichste und Informativste, was mir bisher zu diesem Thema bekanntgeworden ist.
Eine ebenso wertvolle Hilfe sind die aufeinander aufbauenden Kurse von Georg Petz.
Geringe Teilnehmerzahlen und individuelles Eingehen auf die Fähigkeiten und Vorkenntnisse der Teilnehmer sprechen ebenso für sich, wie Georg´s „biblisches“ Kanufahreralter mit 20 Jahren Kanuerfahrung.

Näheres über Kurse und Termine ist unter
http://home.t-online.de/home/germanopencanoe/  zu finden.

 

 

 

Fazit:

Es war eine schöne, interessante und auch lehrreiche Fahrt und ich danke an dieser Stelle nochmals Ralf und den anderen GOC-Mitgliedern für´s Mitfahrendürfen.

 

 

von Christian aus München

 

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© Ralf Schönfeld