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erstellt: November
2000
überarbeitet: 25. August 2001
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Rückblick
auf:
„South MacMillan River im Yukon Territorium“
- Kanada Sept. 2000 -
Teil 3
3-wöchige
Paddeltour auf dem South MacMillan River
(Fortsetzung:
Von Armstrong Landing bis zum Ende)
Anmerkung:
Teil 1 ist eine 1-wöchige Rundreise mit dem Auto durch das
Yukon-Gebiet und angrenzende Alaska (zum
Teil 1)
Wenn sie jeweils unten auf die Bilder clicken, können Sie es in
Originalgröße betrachten.
Benutzen sie bitte den Return-Button Ihres Browsers, um zum Reisebericht
zurückzukehren.
Wer den Bericht in Ruhe Offline-Lesen oder ausdrucken möchte, kann ihn auch als
PDF-Datei downloaden:
Teil 3 als PDF - Datei (26
Seiten; 223 kb (seit 22.04.01 in optimiertem Layout)).
Zum Lesen wird dann aber der Acrobat Reader benötigt (kostenloser Download
unter http://www.adobe.de/).
Fortsetzung
des Tourenberichtes:
Samstag 16.09.00 / 8. Paddeltag
Ein wunderprächtiger Morgen und die Sonne strahlt mit ihrer ganzen Kraft.
Zur Abwechslung gibt’s zum Frühstück
Haferflocken.
Mit teilweise langen Zähnen vernichten die Paddelkameraden die ungewohnte
Kost.
Claudia macht daraus für sich und dem tapferen Ralf „Poritsch“. So, oder
zumindest so ähnlich, soll es wohl heißen. Nun ja, halt mal was anderes.
Wieder Motorenlärm. Ein kleines Flugzeug ohne Schwimmer dreht niedrig über
unserer Kiesbank eine Schleife und verschwindet wieder.
Und wir bekommen Besuch. Ein Motorboot mit 2 Personen kommt flußauf gefahren
und landet bei uns an. Es ist aber weder das Boot, noch sind es die beiden
Jäger von gestern Abend.
Wie sich herausstellt, ist es einer der beiden ehemaligen Besitzer von
Armstrong Landing mit seinem erwachsenen Sohn. Bis vor 9 Jahren hätte er dort
10 Jahre lang ganzjährig gelebt.
Demnach müßte er es so 1990/91 aufgegeben haben. Momentan sind sie zur
Elchjagd da.
Der Sohn will zukünftig die Tradition der dortigen Trapp-Line fortsetzen, und
sie möchten das Anwesen nicht dem Verfall preisgeben.
Der eigentliche Grund ihres Besuches ist aber, sich nach unserem Wohlbefinden
zu erkunden.
Die Jäger vom Vorabend hätten 8 Personen, aber nur 3 Boote gesehen.
In Schwierigkeiten geratene Kanuten müßten am South MacMillan recht häufig
mit Flugzeugen und Hubschraubern gerettet werden, und ein Verlust von
Ausrüstung sei keine Seltenheit.
Wir können sie beruhigen. Uns geht’s
prächtig, und wir fühlen uns dem Fluß trotz des Hochwassers gewachsen.
Der MacMillan führt jetzt schon enorme Wassermassen.
„Mr. Armstrong“ erzählt, daß der Hochwasserpegel vor 1 Woche noch um einiges
höher gewesen sei.
Laut später erhaltenen Infos, müsste es vermutlich Mr. Persinger sein, die
andere Trapper-Familie hieß Carpenter.
Er warnt uns ca. 30 km weiter flußab vor einem log-jam. Der Fluß sei über
seine gesamte Breite mit Schwemmholz versperrt, aber sie hätten mit der
Kettensäge eine Schneise geschnitten.
Während wir so tratschen, bietet uns der Sohn aus einer großen Papiertüte
getrocknetes Elchfleisch zum Kosten an. Es schmeckt ausgezeichnet.
Sie laden uns ein, unser Camp auf Armstrong Landing, oder auf der
gegenüberliegenden Flußseite bei den beiden anderen Jägern aufzuschlagen, wir
hätten freie Auswahl.
Sie selbst würden jetzt weiter flußauf zur Jagd fahren und am Abend
zurückkehren.
Gerne nehmen wir diese Einladung an.
Wir packen unseren Krempel also zusammen, und landen keine 2 Kilometer
weiter rechts bei Armstrong Landing an. Ein richtiges kleines Dörfchen.
Zwischen hoch wucherndem Gras und Unkraut, finden sich verstreut zahlreiche
Hütten in unterschiedlichem Zustand. Wir watscheln über das Gelände.
Irgendwie ist es mir schon ein bißchen unheimlich. Dort hinten im Wald auch
noch die Rauchsäule eines Feuerchens. Ich seh mich im Geiste schon mit einem
Pfeil im Rücken darniederliegen.
Sieht schon wild aus hier.
Überreste eines Windrades am Flußufer, ein Kinderfahrrad im Gras, vor
einer Hütte ein selbst gezimmerter Schubkarren mit großen Holzrädern, ein anderer
Schubkarren auf der Veranda einer Cabin beherbergt u.a. ausrangierte
Schneeschuhe.
Wir spickeln durch das eine oder andere Fenster.
Zum Teil sieht es aus, als hätten die Menschen fluchtartig diese Stätte
verlassen. Gegenstände des täglichen Lebens stehen noch so, als wären die
einzelnen Hütten jetzt noch bewohnt.
An den Außenwänden der Blockhäuser ein Sammelsurium verschiedenster
Utensilien: Bootspropeller, Werkzeug, Petroleumlampe, Kette einer Säge,
Keilriemen, und und und – einfach alles.
Das runde Holzgerippe eines ehemaligen Gewächshauses zeugt davon, daß sich
die Bewohner einst gänzlich selbst versorgt haben.
Die Ursprünge von Armstrong Landing am Russell Creek liegen schon 100 Jahre
zurück.
Ursprünglich hieß er Slate Creek nach Duncan Gillis, der das Gebiet vor der
Jahrhundertwende erkundete. Er beanspruchte eine 5 Quadratmeilen große
Konzession an dem Creek, den er auf Russell Creek umbenannte.
Neville Armstrong übernahm die Claims, und zwischen 1904 u. 1926 widmete er
diesem Platz sein Leben.
Während dieser Zeit baute er Hütten, Brücken, Dämme und Gräben.
Er errichtete eine Überwachung für die Hydraulik, brachte ein Pferd und eine
große dampfgetriebene Bohrmaschine her. Nur ein winziges bißchen Gold soll
insgesamt geschürft worden sein.
Laut Mike Rourke’s Flußführer hat dann jahrzehntelang eine religiöse
Gemeinschaft/ Trapperfamilien ganzjährig dort gewohnt.
Nur mit Funkverbindung zur Außenwelt und einem kleinen Landestreifen für
Flugzeuge auf dem gegenüberliegenden Ufer bei Notfällen.
Diese Besiedelung würde inzwischen aber nicht mehr bestehen.
Wie schon erwähnt, handelte es sich nach später erhaltenen Infos, um die
beiden Trapperfamilien Carpenter und Persinger.
In einem anderen River-Report hatte ich gelesen, daß die Bewohner sehr menschscheu
gewesen wären und ihre Kinder vor fremden Einflüssen, sprich dem Kontakt mit
Paddlern, ferngehalten hätten - waren das unsere jetzigen freundlichen
Gastgeber ?
Jetzt würden die Hütten im Sommer häufig von Indianern genutzt, die dort zum
Fischen oder Jagen seien.
Zum Zelten sagt uns diese historische Stätte allerdings doch nicht so zu, und
wir queren den Fluß zu dem Camp der beiden Jäger.
Die hausen sehr idyllisch in einer sehr schönen Blockhütte. Dieses Areal
gehört ebenfalls „Mr. Armstrong“.
Auch hier wundern wir uns wieder über einen offenen Stall mit Pferdeäpfeln
drin.
Ted und Greg, die beiden Jäger, sind überaus nett und freundlich. Wir dürfen
unser Schweden-Tipi aufstellen, wo immer wir möchten.
Diese haben ihrerseits gerade Besuch. Die 2 Busch-Piloten des kleinen
Flugzeuges, das morgens über uns gekreist ist, sind bei ihnen in der Hütte.
Die kleine Kiste ist wohl auf dem besagten behelfsmäßigen Landestreifen
runtergegangen, und hat Verpflegung und Treibstoff gebracht.
Der Landestrip liegt etwas flußabwärts und kann leider nicht eingesehen
werden.
Während wir unser Camp errichten dann lautes Motorengebrüll. Nur wenige
Zentimeter über dem Wasserspiegel des MacMillan, versucht die Maschine an
Höhe zu gewinnen, höchst beeindruckend.
Noch beeindruckender dann am nächsten Morgen als wir weiterpaddeln, und diese
Runway in Natura sehen. Nie würde ich für möglich halten, daß auf dieser
verwucherten, holprigen, kurzen Kiesbank mit Bäumen links und rechts, ein
Flugzeug landen und starten kann.
Ted und Greg lassen uns dann alleine. Mit dem Motorboot fahren sie den North
MacMillan aufwärts, um mit Pfeil und Bogen einen gewaltigen Elchbullen zu
erlegen.
Vor 5 Jahren hatte Ted den größten, jemals im Yukon mit Pfeil und Bogen
erlegten Elchbullen, mit über 1000 kg Gewicht, niedergestreckt.
Sein Freund Greg möchte jetzt das gleiche tun, nur sollte er noch ein bißchen
größer sein - Trophäenjäger.
Ich muß zugeben, daß ich der Jägerschaft an für sich eher ablehnend
gegenüberstehe, aber die Beiden sind überaus sympathisch. Sie kommen aus dem
Ort Grande Praerie in Alberta.
Sorgfältig wird in dem lichten Wald ein Platz für die Feuerstelle ausgewählt,
und dann die oberste Bodenschicht in einem Stück abgehoben.
Es dürfen keine Wurzeln in der Nähe sein, über die sich ein Feuer heimlich
ausbreiten könnte. Erst Tage später können so nämlich ungewollt Waldbrände
entstehen.
Wir haben Zeit, und so werden hintereinander 2 Brote unterschiedlicher
Sorte gebacken.
Jeweils die Hälfte wollen wir Ted und Greg als Gastgeschenk überlassen.
Deutsches Brot kommt in Kanada immer gut an.
Etwas überraschend setzt Dauerregen ein, und die anschließende
Bannock-Backaktion wir im Schutze des rasch aufgespannten Tarps
weitergeführt.
Ted hat Tage zuvor auf der gegenüberliegenden Flußseite einen kapitalen
Elchbullen gesehen.
Sein tiefes Röhren und Frohlocken nach Frau Elch können wir hören, aber er
zeigt sich uns nicht.
Die Küche bietet zum Dinner Kartoffelbrei mit Wirsinggemüse und Soße,
angebratenen Speck und Frühstücksfleisch.
Unbemerkt kullert versehentlich die kugelige Spülbürste ins Lagerfeuer. Ihr
werden die Haare abgesengt. So nimmt’se ein trauriges Ende.
Es dünkelt schon, als unsere Gastgeber triefend naß zurückkehren.
Später am Abend überbringen Claudia, Sibylle und Jörg das Gastgeschenk, und
haben in der kleinen Hütte eine rege Unterhaltung mit den Beiden.
Der Rest der Meute harrt am Lagerfeuer aus.
Etwa 20 Elche haben sie gesehen, aber keiner entsprach den Ansprüchen. Mit
Kratzen am Baum simulieren sie Widersacher und locken die Tiere an.
Zum Erlegen mit Pfeil und Bogen muß das Tier breitseits im Abstand von ca.
10-15 m stehen, und wird dann mit einem exakten Schuß in die Lunge
niedergestreckt. Soll anscheinend effektiver und „humaner“, sein als mit
Gewehr und Kugel.
Bei Jagdglück sei uns ein Stück der Beute gewiß - könnte was werden.
Etwa zur gleichen Zeit wie wir, müssen sie zurück in Pelly Crossing sein.
Beim Anblick eines saftigen Elchsteaks auf dem Grill vor dem geistigen Auge
läuft, uns jetzt schon das Wasser im Mund zusammen.
Jetzt wird auch das Geheimnis um die Pferdeäpfel gelüftet.
Ein Jagdveranstalter aus dem 100 km entfernten Bergwerks-Städtchen Faro am
Robert-Campbell-Highway kommt mit Pferden hier vorbei, um Schafe am Mount
Armstrong und der Russell Range zu jagen.
Auf dem beschwerlichen Weg durch den Busch müssen sie dabei den Pelly- und
MacMillan River überqueren.
Die einige Tage zuvor besuchte Hütte mit dem Pferdestall, gehört anscheinend
dem deutschstämmigen Outfitter Koser, der von Ross River aus agiert.
Es ist schon fast Nacht, als „Mr. Armstrong“ mit Sohn auf der anderen
Flußseite anlegt.
Wie wir am nächsten Tag erfahren, konnten sie wegen eines technischen Defekts
am Boot, nur mit dem kleinen Hilfsmotörchen nach Hause tuckern.
Sonntag 17.09.00 / 9. Paddeltag
Ganz angenehm dann der morgendliche Spatengang. Wir dürfen das separat
stehende Toilettenhäuschen mitbenutzen.
Mit einer Zeitschrift bestückt und bei Kerzenschein mal ganz was anderes, vor
allem aber deutlich bequemer. Zwar nicht wie zu Hause gewohnt ein
Globetrotter-Katalog, sondern, wie könnt es anders sein, einer Fachzeitschrift
über Jagd mit Pfeil und Bogen.
Als Ted bei dem Toilettenhäuschen von „Bath-Room“ gesprochen hat, ist mir
schon ganz schummrig vor Augen geworden. Waschen oder gar duschen wollte ich
mich auf der Tour nun wirklich nicht.
Wir packen wieder unsere sieben Sachen zusammen.
Sorgfältig wird mit Wasser die Feuerstelle gelöscht, und dann die oberste
Bodenschicht wieder aufgesetzt. Nichts deutet mehr auf deren ehemalige
Existenz hin.
Die Besitzer von Armstrong Landing kommen rüber, um zusammen mit Ted und Greg
wieder ihr Boot in Ordnung zu bringen.
Unsere immer noch recht schweren Markill Tonnen finden große Beachtung. Sie
können’s aber kaum glauben, daß trotz des Gewichts kein Büchsbier drin sein
soll.
Wie schon öfters gehört, scheint Deutsch und Bier für Kanadier einfach
untrennbar zu sein.
Ted führt Sibylle, Claudia und Ralf noch zu einem nahegelegenen
Indianerfriedhof auf einer kleinen Anhöhe. Die anderen 3 haben kein
besonderes Interesse daran.
Ein schöner Blick über die idyllische Flußlandschaft ist die Belohnung. Die
Indianer haben schon ein Gespür für die Natur.
Ihre Verstorbenen wurden nicht nur verscharrt, sondern man läßt auch sie, in
den ewigen Jagdgründen schlummernd, an der Schönheit teilhaben.
Recht ungünstig ist das steile Ufer zum Beladen der schwankenden Boote.
Thomas zeigt uns dabei einen zwar ungewollten, aber ungemein eleganten und
weitgespreizten Spagat, um den ihn jede Primaballerina beneidet hätte.
Wir verabschieden uns von dem Quartett. Sie werden alle nur noch so lange
bleiben, bis ihre Jagd erfolgreich war.
Nieselregen begleitet uns den ganzen Tag.
Der stark hochwasserführende MacMillan wird von zahllosen „log-piles“ und
„sweepers“ gesäumt.
Sweepers sind umgestürzte, im Wasser liegende Bäume. Ihre Äste wirken wie
Rechen.
Log-piles sind, wie schon erwähnt, Holzverblockungen durch in sich verkeilte
Baumstämme.
Grundsätzlich sind log-piles und sweepers gefährliche, ernst zunehmende
Hindernisse im Fluß. Sie bereiten uns jedoch keinerlei Probleme.
Allerdings haben wir auch die gesamte Flußbreite als „Fahrbahn“ zur
Verfügung, bei weniger Wasser ist das sicherlich anders.
Kurz vor km 278, in der Flußkarte ist fälschlicherweise K-283 eingetragen
(S.25; die Angabe in Meilen ist korrekt), verengt eine niedrige Felszunge auf
der rechten Seite den Fluß (low rock point).
Starke, etwas unangenehme Pilze sind bei diesem Wasserstand die Folge.
Kurz danach stecken in einer Linkskurve, über die ganze Flußbreite verteilt,
massive Baumstämme wie die Zinken eines Rechens im Wasser.
Die Stämme ragen flußabwärts geneigt in die Höhe. Schon ein etwas
gespenstisches Bild.
Es bleibt aber noch ausreichend Platz, um gefühlvoll dazwischen
durchzukurven.
Etwa bei km 273 ist dann in einer Rechtskurve die Fahrt zunächst zu Ende.
Vorsichtig nähern wir uns einem log-jam, der über die ganze Flußbreite geht.
Das muß die Gefahrenstelle sein, vor der uns der Besitzer von Armstrong
Landing gewarnt hat.
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Wegpunkt
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GPS-Koordinaten
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Map Datum
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log-jam blockiert
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UTM: 8V 568555 /
6984930
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NAD27 Canada
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Geogr.: 62°59,3574‘N
/ 133°38,9598‘W
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WGS84
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Sorry, aber bei Netscape wird wohl die Tabelle ohne Linien
dargestellt
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Wir erkunden erst einmal die Gegebenheiten.
Ein Meister Petz war vor nicht allzu langer Zeit auch schon hier, und hat
einen beachtlichen Haufen Hinterlassenschaft abgesetzt.
Zu seiner Lieblingsspeise zählen wohl momentan lecker aussehende rote
Beerchen.
Nach der Größe der Tatzenabdrücke zu urteilen, muß es schon ein etwas
größerer Grizzly gewesen sein.
Lieblingsspeise zählen momentan wohl lecker aussehende rote Beerchen.
Nach der Größe der Tatzenabdrücke zu urteilen, muß es schon ein etwas
größerer Grizzly gewesen sein.
Auf mehrere 100 m ein verkeilter Baum neben dem anderen. Darauf ein
einsames großes Ölfaß.
Im vorderen Bereich ist die frei geschnittene Fahrrinne wieder blockiert,
danach jedoch noch frei.
Trotzdem können wir uns, ziemlich links haltend, durch die Stämme wurschteln.
Allerdings ein mühsames Unterfangen. Treideln ist nicht möglich, zum Fahren
zu flach aber Aussteigen ist auch nicht möglich, da man sonst hoffnungslos im
losen Treibsand versaufen würde, kein angenehmer Tod.
Also wird nach Kräften mit den Paddeln gestochert, und jede Menge Wasser
umgewälzt - geschafft.
Ein jüngerer Elchbulle am rechten Ufer. Für unsere Moose-Hunters wäre er
allerdings als Trophäe kein lohnendes Ziel.
Wir suchen wieder einen windgeschützten Platz.
Thomas wird schließlich auf einer Kiesbank in einer scharfen Linkskurve
fündig. Etwa bei km 259 entsteht Camp 10.
Besonders trockenes, sehr gut brennendes Holz spendet uns der daneben
liegende Wald. Thomas zerrt es dort mit glücklicher Hand heraus.
Unsere Mädels wollen mal zum Abendessen das Globetrotter Fertigfutter
ausprobieren, das wir für eventuelle Notfälle mitführen.
Die Wahl fällt auf Indonesischen Reistopf mit Huhn. In dem mit Wasser
angerührten Brei, finden sich tatsächlich Spurenelemente von irgendwelchen
Bonsai-Hühnchen.
Obwohl schon einige Tütchen im rußigen Hordentopf versenkt werden, ist das
ganze nicht übermäßig sättigend.
Den ewig hungrigen Mägen von Stefan, Thomas und Ralf muß zwangsläufig mit
selbstgebackenem Brot und köstlichem Speck nachgeholfen werden.
Für Bergsteiger, Trekker und als Notfallverpflegung sind die Fertigtüten
sicher berechtigt, aber in Fällen, wo das Boot das Gepäck schleppt, nicht
unbedingt erforderlich.
Zudem wird damit die Reisekasse schon ganz erheblich strapaziert. Das Zeug
ist sauteuer.
Montag 18.09.00 / 10. Paddeltag
Regen schon am Morgen. Und er hält fast den ganzen Tag an.
Das im Jägercamp gebackene Brot wird zum Frühstück, garniert mit Marmelade
und Honig, weiter dezimiert.
Heftiger Gegenwind stellt sich uns zeitweise entgegen, aber der Widerstand
wird mit den Paddeln tapfer gebrochen.
Am Plateau Mountain reicht der Neuschnee bis weit in die Tallagen. Noch hat
er uns nicht erreicht, aber wir müssen jeden Tag damit rechnen.
Ruhig gleiten die Boote durchs Wasser.
In der Flußkarte ist etwa bei km 227 eine Hütte eingetragen, die offen sein
könnte. Diese visieren wir mal für die Übernachtung an.
Jörg hat als einziger von uns keine wintertauglichen Gummistiefel an. Seine
ledernen Bergstiefelchen sind natürlich schon seit Tagen naß.
Eigentlich hätte er es ja wahrlich besser wissen müssen. Er hofft nun, sie in
der Hütte mal richtig durchtrocknen zu können.
Kurz vor dem Erreichen der Hütte fegt ein kurzer Graupelschauer über unsere
Köpfe.
Aber ersatzweise dafür, stellt erfreulicherweise anschließend der Regen seine
nieselige Arbeit ein.
Die Hütte sieht zwar mit ihren Wänden aus Preßspanplatten nicht besonders
urig und romantisch aus, aber macht insgesamt doch einen recht wohnlichen
Eindruck.
Über der Eingangstür thront das obligatorische Elchgehörn.
Für unser 11. Camp wird die Bude für eine Nacht kurzer Hand anektiert. Schon
wenig später, stapelt sich auf der Veranda davor unser reichhaltiges Gepäck.
In der Hütte finden wir einen Zettel von einem deutschen Paddler, dem der
MacMillan wohl nicht ganz so gut gesonnen war wie uns. Er sei an einem Stein
gekentert, und hat Teile seiner Ausrüstung verloren.
Jedenfalls mußte sich der Unglücksrabe in der Hütte einen ollen Kochtopf
„ausleihen“. Nun bittet er den Besitzer, ihm die Kosten und dessen Adresse
mitzuteilen.
Der in Cabins (Hütten) typische Yukon-Ofen versucht sein Bestes zu geben.
Sie spenden zwar mollige Wärme, zum Kochen sind sie jedoch mehr oder weniger
gänzlich ungeeignet.
Deshalb werden die schon bekannten, gedreht-gewickelten Spiralnudeln auf
der fest eingerichteten Feuerstelle am Flußufer weichgekocht (natürlich nur
die gleiche Sorte, nicht die selben von vor 2 Tagen).
Dazu gibt’s Sugo aus Hackfleisch, Cathay-Pemmikan, Zwiebeln und Tomatenpampe.
Zum Nachtisch serviert Claudia „Mousse au Chocolat“ - internationale
Gourmeur-Küche halt.
Zur Abwechslung werden Bannocks mal aus dunklem Mehl und mit Haferflocken
fabriziert.
Gegen Abend dann das schönste Wetter
- Sonne und kristallklarer,
blauer Himmel.
Von einer kleinen Anhöhe neben der Hütte schweift der Blick über den
MacMillan, und in der Ferne erheben sich glänzende Firngipfel.
Obwohl nur wenige Meter über dem Fluß, ergeben sich doch ganz neue
Perspektiven.
Zu dem Anwesen gehört auch ein minikleines Hüttchen auf 3 megadicken
Baumstämmen, um Vorräte vor allzu hungrigen Mäulern fernzuhalten, und noch
ein Schuppen. Aus dem könnten wir unsere Boote mit PS-strotzenden
Außenbordmotore ausstatten.
Ein Canadier mit 200 PS wär doch auch mal ganz fetzig, oder ?
Zur Nacht macht es sich Stefan auf der Veranda bequem, die restlichen Fünf
dosen sich in dem Hüttchen ein.
Claudia und Jörg nehmen die beiden Stockbetten in Beschlag, Ralf den Fußboden
genau darunter.
Thomas rückt seine ThermaRest auf dem Boden daneben zu recht, und Sibylle
räkelt sich auf zwei Holzkisten. Raum ist ja bekanntlich in der kleinsten
Hütte.
Auch für Stefan hätten wir noch ein Plätzchen gefunden, aber er wollte nicht.
Friedlich grunzend wird eingeschlummert.
Dienstag 19.09.00 / 11. Paddeltag
Die letzte Paddelwoche ist
angebrochen.
Endlich gab es in der Nacht wieder ordentlich Nachtfrost mit 2-stelligen
Minusgraden. Rings um uns herum ist alles weiß bereift.
Das verspricht hoffentlich wieder besseres Wetter.
In den regnerischen Nächten der vergangenen Tage war es nur knapp über dem
Gefrierpunkt, und die Tagestemperaturen nicht wesentlich höher.
Das weiße Bündel vor dem Eingang hat die Nacht im Freien ebenfalls bestens
überstanden.
Den ganzen Tag über schwärmt Stefan von dem bezaubernden, mystischen, kaum zu
beschreibenden Naturschauspiel des Polarlichts, der Aurora Borealis.
Hat auch so seine Vorteile, wenn man in der Nacht nicht besonders gut
schlafen kann.
Blitzsauber wird die gastliche Stätte verlassen, und wir hinterlegen als
Gegenleistung ein paar dauerhaltbare Lebensmittel. Claudia verfasst ein
nettes Briefchen dazu.
Übrigens noch ein kleiner Tip an GPS-User:
Wenn die Temperaturen mal so gegen die +5° C gehen, nimmt die Leistung auch
der besten Alkali-Batterien rapide ab. Unter dem Gefrierpunkt ist sie
praktisch gleich Null.
Für solche Einsätze sind daher Lithium-Batterien sehr empfehlenswert. Kosten
zwar so um die 8 DM/ Stck, haben aber ein Vielfaches der Kapazität, und sind
auch bei –20° C noch weitgehend fit.
Die flotte hochwässrige Strömung treibt uns weiter.
Meine Eignung als Wetterprophet wird von den Kameraden unverständlicherweise
inzwischen etwas angezweifelt. Statt dem vorhergesagten stahlblechblauen
Weltallhimmel, ist es etwas bedeckt und trübe. Nur Geduld.
Bei km 206 legen wir auf einer Kiesbank, neben einem kleinen Creek, eine
stärkende Rast ein.
Wir sind uns einig. Das wäre grundsätzlich auch ein schöner
Übernachtungsplatz.
Nach glücklosen Angelversuchen nimmt uns der stark mäandernde Flußlauf wieder
auf.
Angeblich sollen ja auch im August/ September laichende Chinnok-Lachse den
MacMillan flußaufwärts ziehen. Aber von Fischen, geschweige denn Lachsen,
keine Spur.
Auch keine verwesten Fischgerippe oder sonstige traurige Überreste, sind an
den Ufern auszumachen.
In einer Flußschleife steht ein imposanter Elchbulle auf der Kiesbank. Seine
beiden Schaufeln haben schon beeindruckende Dimensionen.
Zu unserer Überraschung und Freude ergreift er aber nicht, wie von den
bisherigen Elchbegegnungen gewohnt, sofort die Flucht.
Es bleibt sogar genügend Zeit, das Teleobjektiv aus dem Wickelsack zu
gruschteln, während uns die Strömung langsam weiter treibt.
Nervös tigert er auf der Kiesbank auf und ab. Als wir uns etwas weiter flußab
befinden, klärt sich das ungewohnte Verhalten.
Der schwergewichtige Waldbewohner möchte den Fluß queren.
Nur noch das riesige Geweih und die lange Nase schauen aus dem Wasser. Auf der
anderen Flußseite hat der mächtige Koloß, bei dem ausgewaschenen Steilufer,
erhebliche Schwierigkeiten an Land zu gelangen.
Ärgerlich schnaubend und grunzend, gelingt es ihm nach mehreren vergeblichen
Versuchen doch noch, den massigen Körper hochzustemmen.
Zu Füßen des blendend weißen Dromedary Mountains, entsteht auf einer großen
Insel bei km 193 Camp 12.
Auf der anderen Flußseite lugt in der Ferne, durch den schütteren Wald, die
Pyramide des schneebedeckten Clarke Peaks hervor.
Etwas zeitverzögert bestätigen sich nun die Wetterprophezeihungen. Der Himmel
klart auf, und es wird ein wunderschöner Abend.
Wir genießen die Abendsonne und das prächtige Panorama. Eine Baumleiche mit
großem Wurzelstock, dient als Liegestuhl für die Sonnenanbeter unter uns.
Gegenüber unserer Kiesbank höhlt die Strömung permanent die senkrechte,
unterspülte Uferböschung aus (= cut bank). Immer wieder stürzen kleinere
Mengen Steine und Erde geräuschvoll ins Wasser.
Zum Mampfen gibt’s wieder Reis mit Sauce aus Zwiebeln, Speck, Salami usw.,
sowie angebratenes Frühstücksfleisch. Reste des Mousse au Chocolat vom
Vorabend, runden das Mahl ab.
Im Dutch Ofen entsteht dann noch eines der knusprigen Brote, bevor uns die
Äuglein zufallen.
Mittwoch 20.09.00 / 12. Paddeltag
In der Nacht soll es wieder,
in abgeschwächter Form, das faszinierende Nordlicht gegeben haben. Gesehen
hab ich es allerdings nicht, einfach verschlafen.
Der Morgen ist wunderschön, ringsum ist alles gefroren, es hatte wieder
Minustemperaturen um die 10 Grad.
Einfach phantastisch, wie sich die
herbstlich gefärbten Bäume und weißen Berge im glatten Wasser eines ruhigen
Seitenarmes spiegeln.
Der Indian Summer präsentiert uns seine ganze Farbenpracht.
In einer Flußschleife hängt leichter Nebel über dem ruhigen Wasserspiegel.
Gemächlich trabt ein jüngerer Elchbulle, mit seiner auserwählten Holden, im
Gegenlicht durch das seichte Wasser zum Tete a Tete auf die Insel zu. Ein
Erlebnis.
Sein Liebesglück will er aber nicht mit uns teilen, und latscht
unverrichteter Dinge mit der Lady wieder von dannen.
Bei soviel herrlicher Natur um einen herum, schmeckt das Frühstück gleich um
einiges besser, nur Thomas schwächelt etwas. Der Spaten wird sein engster
Verbündeter.
Obwohl es am Vortag nicht geregnet hatte, ist der Wasserstand in der Nacht um
einiges gestiegen. Jedenfalls trugen wir am Abend die Boote weit auf die
Kiesbank hinauf, und nun reicht das Wasser fast bis zu deren Heck.
Da aber die Discoverys über Nacht konsequent festgebunden werden, keinerlei
Gefahr dadurch.
Etwa bei km 189 sind an der Einmündung des Clarke Creeks 2 Hütten in der
Karte vermerkt, die 1995 fast im Wasser gewesen wären.
Inzwischen hat der MacMillan sein zerstörerisches Werk weitergeführt, und das
Ufer weiter ausgehöhlt und abgetragen. Nur noch die Reste der Fundamente sind
von den Cabins übrig geblieben.
Wie an jedem Paddeltag, legen wir ab und zu mal eine kleine Pause ein, um die
Beine zu vertreten.
Die Mietboote haben sich prinzipiell schon gut bewährt, aber mit ihren
Kunststoffsitzen gewähren sie beim Knien nur wenig Fußfreiheit. Auf die Dauer
ist das schon etwas unbequem.
Für eine sichere Bootsbeherrschung und effektiven Paddeleinsatz, möchten wir
auf die kniende Haltung aber nicht verzichten. Dabei bewähren sich, neben den
vertrauten und erprobten eigenen Paddeln, unsere speziellen Kniepolster
wieder bestens.
Paddel, Kniepolster, Wurfsäcke, Karabiner usw., haben wir ja alles von zu
Hause mitgebracht.
Merkwürdige Spuren von Fährten im Sand, geben uns auf der Kiesbank zunächst
Rätsel auf.
Aber klar, Biber waren hier zugange. Vorderpfoten klein und putzig, die
hinteren Fußabdrücke „mords Latschen“.
Nach den Schleifspuren zu urteilen, sind Biber schon in der Lage recht große
Äste oder kleinere Baumstämme ins Wasser zu schleifen.
Wir umrunden den Dromedary Mountain. Die imposante Berggestalt begleitet uns
linker Hand den ganzen Tag, und auf der Rechten erhebt sich die Kalzas Range.
Wir sind gerade mit dem Vernichten von Bannock, Speck und Salami zum Lunch
beschäftigt, da nähert sich von fern Motorengeräusch.
Es ist der Besitzer von Armstrong Landing mit seinem Sohn. Das beschaulich
dahin gleitende Boot liegt tief im Wasser.
Wir winken uns gegenseitig zu, können aber nicht alles verstehen, was sie uns
zurufen. Wir kriegen auf jeden Fall mit, daß ihre Jagd erfolgreich gewesen
ist.
Direkt gegenüber dem Lone Mountain wird
bei km 164 das 13-te Camp eingerichtet.
Der kleine felsige Berg erhebt sich unmittelbar über dem Fluß. Etwa 365 m
überragt er den Wasserspiegel.
Geologisch gesehen muß er schon irgendwie ein Unikat sein.
Wenn das Gelände nicht so undurchdringlich dicht bewachsen wäre, würde sich
die markante Berggestalt gut für eine Hiking-Tour anbieten. Die Aussicht
dürfte lohnend sein.
Thomas geht es nicht besonders gut, er wird mit Gesundheitstee abgefüllt und
diversen Arzneien gefüttert.
Wir vermuten, daß er an der Hütte vor ein paar Tagen kaltes und/ oder
verunreinigtes Wasser aus einem Kehrwasser getrunken hat. Eventuell hat ihn
das Biberfieber erwischt.
Bisher haben wir das Wasser immer sorglos direkt aus dem Fluß geschöpft. Ab
jetzt werden wir es nur noch abgekocht verwenden.
Eigentlich hätte ich ja auch ein Entkeimungsmittel für’s Wasser im Gepäck,
aber einige Kameraden haben, für mich unverständlicherweise, eine Abneigung
gegen etwas Chemie.
Dann sollen’se halt speien und brechen oder sonstiges. Thomas wäre schon auch
für das zukünftige desinfizieren.
Der Abend ist einfach herrlich.
Malerische Wurzelstöcke von Bäumen auf der Kiesbank, der imposante weiß glitzernde
Dromedary Mountain, das sich im Wasser spiegelnde Laub, fleißige Biber -
Natur pur.
Stefan und Claudia fabrizieren wieder aus Nudeln, Cathay-Pemmikan, Speck,
Zwiebeln usw., ein schmackhaftes, stärkendes Dinner.
Obwohl ja schon Mitte September vorbei, sind die Tage noch angenehm lang.
Aufgegangen ist die Sonne am Morgen so gegen 7.35 Uhr, und verabschieden tut
sie sich so gegen 20.10 Uhr. So jedenfalls behauptet es das elektronische
Helferlein GPS.
Viele Leute denken, Alaska wäre quasi so ein Vorort vor dem Nordpol. Dem ist
aber nicht so.
Unsere skandinavischen Nachbarländer beispielsweise, reichen ebenso weit
nordwärts. Nur der nördlichste Teil von Zentral-Alaska liegt jenseits des
Polarkreises.
Wir sind zwar hier nicht in Alaska, es ist aber der westliche Nachbar zum
Yukon.
Am MacMillan bewegt man sich so auf dem 62./ 63. Breitengrad. Dies entspricht
z. B. Mittelnorwegen südlich von Trondheim.
Das Polarlicht zeigt sich uns heute schon recht früh. Obwohl nur relativ
schwach ausgeprägt, ist und bleibt es ein faszinierendes Naturphänomen.
Ralf versucht mit einer Langzeitbelichtung die tanzenden Schleier
einzufangen.
Donnerstag 21.09.00 / 13. Paddeltag
Wiederum begrüßt uns ein schöner Morgen. Minusgrade in der Nacht sind der
Garant dafür.
Stefan bruzelt uns zum Frühstück seine allseits geschätzten Pfannkuchen.
Thomas fühlt sich noch immer unwohl. Deshalb tauschen wir heute die
Paddelpartner durch, um ihn möglichst zu entlasten.
Ihm wird quasi ein Schonarbeitsplatz zugewiesen.
Um kein Wasser in bewegteren Passagen zu schöpfen, und wegen möglichst
gerechter Gewichtsverteilung in den 3 Booten, nahmen bisher die etwa 0,1
Tonnen schweren Stefan, Thomas und Jörg die hinteren Plätze ein, während die
leichtgewichtigen Claudia, Sibylle und Ralf vorne paddelten.
Stefan und Thomas, Jörg und Claudia, sowie Ralf und Sibylle bilden die neuen
Teams.
Wir lassen die Paddelei insgesamt geruhsamer angehen.
An einem kleinen Zufluß holt sich Stefan ein Satz kalter Finger. Wir fassen
dort frisches, glasklares Quellwasser. Dicke Eiszapfen und -krusten zieren
das Bächlein.
Der Flußlauf folgt der Kalzas Range.
Kurz vor km 145 ist in der Karte, auf der rechten Seite, eine Hütte mit dem
Zusatz „no door“ (keine Tür) eingetragen. Hab’s zwar selber nicht gesehen,
aber nach einer Info soll sich dort nur eine Tür befinden.
Die Mäanderschleifen werden immer größer. An einer Stelle berühren sie sich
fast wieder.
Aber Gepäck und Boote durchs dichte Unterholz zu schleifen, um den weiten
Mäander abzukürzen, erscheint auch wenig lohnend.
In einer Rechtskurve blicken wir geradewegs in das Antlitz eines Elchgeweihes
in Ufernähe.
Der Totenschädel mit dem Gehörn ist an einem Baumstumpf festgebunden. Mit den
Booten können wir direkt einen Besuch abstatten.
Kurz danach deutet ein Holzgestell und eine feste Sitzgruppe am rechten Ufer,
auf einen festen Lagerplatz hin.
Schräg gegenüber schlagen wir auf einer Kiesbank, vor einer Flussteilung,
etwa bei km 135 das Lager auf, Camp 14.
Unser Blick geht direkt hinüber zum
Mount Kalzas, mit 1909 m die höchste Erhebung in der Kalzas Range.
Wunderschön spiegelt sich der Firngipfel im MacMillan.
Vom „Gipfel“ des log-piles auf der Kiesbank, reicht der Blick zurück bis zum
Dromedary Mountain und dem niedrigen, aber charakteristischen Lone Mountain.
Tagsüber war es etwas trübe, aber am Abend taucht die Sonne alles um uns
herum in ein warmes Licht.
Die wohltuende Stille wird nur kurz von einem kleinen Buschflugzeug mit
Schwimmern gestört, das über uns flußaufwärts hinweg schwebt. Nach einiger
Zeit kehrt es wieder zurück.
Sein Ziel war vermutlich einer der zahlreichen Seen links und rechts des
Flusses.
Wir unterlassen natürlich jegliches Winken, um keine unnötigen Mißverständnisse
oder gar Rettungsaktionen auszulösen.
Wenn wir tatsächlich Hilfe nötig hätten, würden wir das, dafür international
gebräuchliche Signal absetzen: Beide Arme V-förmig nach oben strecken.
Zusammen mit dem Körper und den zusammengestellten Beinen ergibt sich daraus
ein „Y“. Dies bedeutet „Yes“, wir benötigen Hilfe.
Im gegenteiligen Fall wird der linke Arm nach unten und der Rechte nach oben
gestreckt.
Zusammen mit dem Körper und den Beinen ergibt sich dann ein „N“. Dies
bedeutet „No“, keine Hilfe erforderlich.
Die beiden Sägen und Gransfors Äxte haben wieder einiges zu tun. Das
Zubereiten von Kartoffelbrei, Karottengemüse, angebratenem Speck und
Frühstücksfleisch, Brot- und Bannock backen, verschlingt schon so einige
Holzscheite.
Bis in den späten Abend sind der Dutch-Ofen und die Bratpfanne in Aktion.
In der Nacht zeigt sich wieder das faszinierende Nordlicht.
Freitag 22.09.00 / 14. Paddeltag
Wie meistens schält sich Ralf
als erster aus dem Schlafsack, und wirft gleich mal das Lagerfeuer an. Heiß Wasser
für den Kaffee ist angesagt.
Der Morgen zeigt sich bewölkt , aber dafür ist Thomas wieder ganz der
alte. Wir sind alle froh und erleichtert.
In alter Teambesetzung sitzen wir wieder in den Booten.
Das Hochwasser überflutet großflächig das Gelände in der Nähe unseres
Übernachtungsplatzes. Die in der Karte eingezeichnete Flußschleife ist längst
unter den Wassermassen begraben und wird unbewußt abgekürzt.
Ein kurzer leichter Regenschauer läßt uns die diversen Wachsmäntel und
Regenjacken anlegen. Aber zur Mittagsrast an einer Flußbiegung lugt, noch
etwas versteckt, schon wieder die Sonne hervor.
An dieser Stelle steht ein großes weißes Baumwoll-Hauszelt im Wald.
Vermutlich gehört es Jägern, anwesend ist momentan niemand.
Die Jagdsaison auf Elche ist um diese Jahreszeit in vollem Gange.
Im unteren Teil des MacMillan soll sich, laut diversen Flussbeschreibungen,
die Strömung mehr und mehr verlangsamen und träger und zäher werden.
Wenn man auch optisch, durch den inzwischen doch recht breiten Fluß, nicht unbedingt
den Eindruck von flotter Strömung hat, so spült sie uns dank des Hochwassers
immer noch mit etwa 6 km/h zu Tal.
Mit Paddeleinsatz werden so noch ganz locker 10 Kilometer in der Stunde
zurückgelegt. Claudias gelegentliches leichtes Jammerieren ist daher
vollkommen unbegründet.
Diese Flußtour wird anscheinend auch häufig mit Schlauchcanadiern
durchgeführt.
Also insgesamt beneiden wir niemanden, der mit so einer zäh laufenden
Gummikuh hier unterwegs sein muß. Ein starres Boot bietet doch deutlich bessere
Gleiteigenschaften.
Fahrtechnische Vorteile bietet ein Gummiboot letztendlich nur auf dem 10 km
langen Wildwasser-Part, da es Fahrfehler leichter verzeiht und nicht so
leicht Wasser schöpft.
Vor der Einmündung des Kalzas Rivers, kommt uns freundlich grüßend die
Besatzung eines Motorbootes entgegen. Wir vermuten, daß sie zu dem einsamen
Zelt gehören.
Unsere Nasen sind den gräuslichen Gestank von Abgasen überhaupt nicht mehr
gewöhnt.
Die in der Flußkarte vermerkten alten Hütten kurz vor der Mündung des Kalzas
Rivers, werden momentan renoviert. So jedenfalls sieht es von weitem aus.
Der Kalzas führt dem MacMillan beachtliche Mengen graues Gletscherwasser zu.
Oberhalb der Mündung, in schöner Lage, ein Indianergrab. Die Aussicht von
dieser Anhöhe dürfte bestimmt prächtig sein.
Langeweile kommt momentan keine auf, es wird schon wieder was für‘s Auge
geboten.
Nach dem Zufluß eigenartige, grauweiß gebänderte Steilufer, und am Ende der
langgestreckten Insel ein wohl häufiger genutzter Lagerplatz von Jägern oder
Fischern.
Weit oberhalb der Wasserlinie quert ein Stahlseil den Fluß. Für Paddler also
keinerlei Gefahr.
Es gehört zu einer manuellen, recht modern aussehenden Seilbahn, um den Fluß
queren zu können.
Sie dürfte ein modernes Relikt eines hier verlaufenden, uralten
traditionellen Indianerpfades sein.
Die Cabins bei km 98 sind bewohnt, der Elchtod lauert jetzt überall.
Ein Motorboot kommt uns wieder entgegen
- rush-hour auf dem MacMillan.
Schwierig wird die Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz. Mit jedem
Kilometer flußab wird der Stand des Hochwassers immer höher.
Die Kiesbänke sind alle überspült, und der Wald ungeeignet. Das dichte
Unterholz müßte erst mal gerodet werden.
Schlußendlich werden wir etwa bei km 87 auf einer großen Kies- /Sandinsel
doch noch fündig.
Jörg und Sibylle haben den Platz
auskundschaftet Wir sind erleichtert, Camp 15 steht.
Der Wettergott verspricht nicht allzu Gutes. Unsere „Tipi-Kothe“ wird auf dem
freien, ungeschützten Platz gut sturmgesichert.
Schräg gegenüber am Waldesrand hat vor uns die menschliche Spezies der
Sauigel gehaust.
Zurückgelassene Blechbüchsen und sonstiger Unrat, Feuerstelle nicht
weggeräumt usw., sprechen nicht gerade von Feingefühl gegenüber dieser
wunderbaren Natur.
Unsere Notverpflegung sollte jetzt so langsam auch mal dezimiert werden. Ein
kleines Vermögen, was wir zum Abendessen an Globetrotter Fertigfutter in
unsren hungrigen Mäulern so verschwinden lassen.
Samstag 23.09.00 / 15. Paddeltag
Der Morgen begrüßt uns nicht unerwartet mit Regen. Gemütlichkeit kommt da
beim Frühstück nicht unbedingt auf.
Dem angespannten Verhältnis zwischen Jörg und dem Organisator der Tour ist
dies nicht gerade förderlich. Schon seit ein paar Tagen gärt und schwelt es.
Mit dem Wetter steigt und fällt auch die Laune und Verträglichkeit der beiden
Miesepeter Stefan und Jörg.
Obwohl der Ablauf und Charakter der Flusstour, bzw. des gesamten Urlaubs
genauestens bekannt gewesen ist, haben sich die Beiden mehr einen
Relaxing-Urlaub vorgestellt oder gewünscht.
Dabei hätten sie sich zu Hause nur mal 5 Minuten Zeit nehmen, und die
sehr detailliert vorliegenden Planungen für die Rundreise und Paddeltour
anschauen müssen.
Dann hätten sie ja bemerkt, daß diese 4 Wochen kein geruhsames Relaxing sein
können, sondern auch mit gewissen Anstrengungen und Entbehrungen verbunden
sind.
Das hat eine etwas anspruchsvollere Tour einfach so an sich, ob auf dem
Wasser, in den Bergen, oder sonst wo.
Beide hätten dann zu Hause bleiben können. Das wäre für sie selbst, und der
gestörten Gruppenharmonie besser gewesen.
Zudem fällt manchen das morgendliche Aufstehen schwer -
man hat ja schließlich Urlaub.
Dadurch kommen wir letztendlich nicht vor 11 oder ½ 12 Uhr aufs Wasser. Um 16
Uhr soll aber schon wieder das Lager fix und fertig stehen. Und eine
Mittagsrast zur Stärkung soll selbstverständlich auch sein. Ist ja o.k so,
nur:
Auf diese Weise können wir natürlich täglich kaum mehr Paddelkilometer
zurücklegen, als unbedingt notwendig sind, um rechtzeitig am Ziel zu sein.
Auf die geplanten 18 Paddeltage verteilt, sind das rein mathematisch gesehen
täglich etwa 28 km. Bei der Strömung leicht zu bewältigen.
Mit dieser Einstellung ist es dann aber halt auch nicht möglich, irgendwo mal
einen Ruhetag für das gewünschte Relaxen zu realisieren.
Wie schon am Tag zuvor, begleitet uns zu linker Hand im Süden, der Höhenzug
der Pelmac-Ridge.
Diese Kammlinie bildet eine natürliche Barriere zu dem, in gleicher Richtung
fließenden Pelly River.
Wo im Westen der Rücken abfällt, ist der Zusammenfluss der beiden Flüsse. Bis
dorthin ist es jetzt nicht mehr allzu weit.
Ungefähr bei km 83 ist eine „Good Cabin“ (gute Hütte) in der Karte vermerkt.
Auch sie ist bewohnt, der Schornstein raucht.
Vor ihr steht ein kleines Iglu-Zelt, und die Kameraden meinen auch, einen
Canadier (Boot) gesehen zu haben. Die einzigen Paddler, die wir indirekt auf
der gesamten Tour treffen.
Wir vertreten und wieder mal die Beine.
Es regnet, und tief hängen die Wolken-
und Nebelfetzen. In den Wäldern scheinen die Hexen ein Süppchen zu kochen.
Auch so eine Wetterlage kann ihre Reize bieten. Allerdings bin ich wohl der
einzige, der an diesen Stimmungsbildern gefallen findet.
Vor dem Zusammenfluss mit dem Pelly, prophezeit uns eine der
Flußbeschreibungen kaum noch Strömung. Man würde deshalb in diesem Bereich
auch häufig vom „Lake MacMillan“ sprechen.
Die beiden letzten Mäanderschleifen sind in der Tat extrem lang, und eine
Biegung scheint stundenlang anzudauern.
Aber nach wie vor werden wir mit hochwässrigen 6 km/h automatisch
angetrieben.
Vor allem Claudia wird lange auf die Folter gespannt, als ich verkünde: „Nur
noch ne Rechts- und dann ne Linkskurve, und dann sind wir schon fast da“.
Dieses „nur noch“ zieht sich doch ganz schön in die Länge.
Kurz vor der Einmündung liegt rechter Hand eine Hütte.
Wir suchen einen geeigneten Übernachtungsplatz, und inspizieren daher das
Gelände. Bewohnt ist die Hütte zwar nicht, aber so ganz das Ideale ist es
auch nicht.
Um 6 Personen zu beherbergen fehlt die Ausstattung. Diese üblichen Yukon-Öfen
fressen grundsätzlich eine Menge Holz, die es in der näheren Umgebung nicht
mehr gibt, und zum Kochen sind sie sowieso nicht geeignet.
Vor der Hütte wäre zwar etwa Holz gestapelt, aber das möchten wir dem Trapper
natürlich nicht verheizen.
Zum Zelten ist das Gelände um die Hütte ebenfalls nicht so sonderlich schön.
Wir beschließen weiterzuziehen, vespern aber erst mal kriegsstark. Und dem
Studentenfutter müssen wir jetzt auch mal zu Leibe rücken -
unsere Tage auf dem Fluß sind gezählt.
Das Weiterfahren birgt allerdings ein gewisses Risiko.
Es ist nämlich schon fraglich, ob die anvisierten Kiesbänke am Mündungsdelta
des Pelly, vom Hochwasser nicht überspült sind. Dann hätten wir ein
Problemchen, denn allzu viele Alternativen wird es dann auch nicht geben.
Vorsichtig paddeln wir weiter.
Wir wissen nicht, welche Wassermassen der Pelly jetzt beisteuert, und welche
Schwierigkeiten oder Gefahren sich daraus ergeben könnten.
Zur Vorsorge bleiben alle drei Boote dicht hintereinander. Rettungsaktionen
sind bei den hohen Strömungsgeschwindigkeiten nur erfolgversprechend, wenn
die Boote in erreichbarer Nähe bleiben.
Von links mündet der 1. Arm des Pelly Rivers. Keinerlei Gefahr droht, aber es geht nun deutlich flotter voran.
Ein Platz zum Campen ist allerdings nicht auszumachen.
Es wird jetzt die Kiesbank in etwa 2,3 km Entfernung am 2. Mündungsarm
angesteuert.
Ein bißchen erleichtert sind wir schon, als wir diese auch erblicken.
Überraschenderweise ist sie sogar recht groß, aber es würden nur wenige
Zentimeter Wasser fehlen, um sie verschwinden zu lassen.
Nach dem ganzen drum herum zu urteilen, war dies vor noch gar nicht so langer
Zeit wohl der Fall.
Am höchsten Punkt der Insel, in der Nähe des Waldrandes, werden Tipi und Tarp
aufgestellt, das 16-te Camp.
Jetzt sind es nur noch so etwa 65 km.
Aus vielerlei Zutaten zaubern fleißige Köche wieder köstlich mundende
Schinkennudeln. Restlos verschwinden sie in den hungrigen Mäulern.
Und da wir inzwischen auch nicht mehr so ganz die Jüngsten sind, hockt und
kauert dabei ein Teil der Meute nicht kreuzunfreundlich auf Tonnen und
Fässern herum, sondern plaziert die Gesäße auf bequemen, mit Rheumafellen
kaschierten scheußlich blauen Klappstühlen.
Zwar ein Luxus, auf den ich aber nur sehr ungern verzichten würde.
Der Winter naht bereits. Jedenfalls ziehen an diesem Tag mehrfach
Kanada-Gänse im eindrucksvollen, V-förmigen Formationsflug über unsere Köpfe
hinweg gen Südosten.
Sonntag 24.09.00 / 16. Paddeltag
Regen schon beim Aufstehen. Er
begleitet uns den ganzen Tag.
Die MacMillan Range im Norden hält sich vornehm bedeckt. Nur für wenige
Sekunden gibt die niedrige Wolkendecke und der Nebel den Blick ab und zu
etwas frei.
Der Neuschnee reicht bis tief in die Tallagen herunter.
Der MacMillan River verabschiedet sich, und gibt sein Wasser dem Pelly mit
auf den Weg.
Mit 9 km/h eilt jetzt dieser breite Strom, mitsamt unseren 3 Nußschalen, dem
Yukon entgegen.
Wie wir jetzt erkennen können, hätte es zur Not doch noch einen weiteren
Übernachtungsplatz gegeben. Auch die Insel nach dem dritten Mündungsarm wäre
geeignet gewesen, uns und unsere Tipi-Kothe aufzunehmen.
Der Fluß schneidet sich durch eine großflächige Plateau-Region.
Im Lauf der Jahrmillionen hat er sich ein tiefes Bett gegraben. Teilweise
stürzen sich recht hohen Abhänge zum Wasser hinunter.
Schon etwas eintönig und wenig spektakulär geht es voran. Ein längeres Stück
lassen wir uns faul in den Booten lümmelnd, einfach im Verband hinunter
treiben.
Etwa bei km 45 ist eine Boot-Einsatzstelle auf der Karte vermerkt. Vom
Klondike-Highway führt ein holpriger, schmaler Fahrweg hierher.
Dort wird eine stärkende Mittagsrast eingelegt.
Mehrere Pickups mit Bootsanhänger dran, sind im Gebüsch abgestellt. Per Achse
kommen all die Jäger‘s zu dieser Bootsrampe, und starten dann von dort aus
mit ihren starken Motorbooten den Pelly aufwärts.
Auf diese Weise umgehen sie den Granite Canyon, der uns als nächstes
erwartet.
Es ist die einzige Wildwasserpassage auf dem Pelly.
Sorgfältig werden die Schwimmwesten noch mal auf den korrekten Sitz überprüft,
und tief durchgeatmet. Wir wissen nicht so genau, was uns bei dem Hochwasser
erwarten wird.
Diese Schluchtstrecke soll laut Flussbeschreibung, abhängig von den
Wasserständen, total unterschiedliche Charakteristiken haben.
Bei Normal- und Niedrigwasser treten keine größeren Schwierigkeiten auf,
sofern auf die zahlreichen Steine und Felsblöcke geachtet wird.
Bei hohen Wasserständen soll dagegen die Strömungsgeschwindigkeit dramatisch
ansteigen, mit stehenden Wellen bis vier Fuß Höhe (ca. 1,2 m) und starken
Kehrwassern.
Vorsichtig nähern wir uns bei diesem naßkalten, nieseligen und trüben Wetter
dem Granite Canyon.
Angesichts einer Temperatur knapp über dem Gefrierpunkt, den eiskalten
Wassermassen und den unbeholfenen Regenklamotten in denen wir stecken, muß
eine Kenterung auf jeden Fall vermieden werden.
Noch vor dem Erreichen der Schlucht sorgt „choppy Water“, also kabbeliges,
hin- und herschwankendes Wasser, für Abwechslung und zur Einstimmung.
Schade, durch das trübe Wetter erscheinen Wasser, Himmel, Bäume und die
Granitfelsen am rechten Ufer im kontrastlosen, tristen Einheitsgrau.
Im Bereich der ersten Linksbiegung halten wir uns links, und entgehen so den
höchsten Wellen.
Bei Normal-Wasser soll es im Canyon schöne Übernachtungsplätze auf Sandbänken
geben.
Ebenso wie die Steine und Felsblöcke, sind sie jetzt jedoch alle großflächig
überflutet.
Auf dem einzigen möglichen Übernachtungsplatz auf einer Anhöhe am linken Ufer,
steht ein einsames, verlassenes Iglu-Zelt.
Vermutlich gehört es der Motorboot-Besatzung, die uns in großer Entfernung
folgt.
Noch vorsichtiger nähern wir uns der 2. Linksbiegung.
Die Flußbeschreibung spricht von hohen, stehenden Wellen auf der linken
Seite.
Aus dem jetzigen Blickwinkel sieht es allerdings links problemloser aus als
rechts. Der weitere Flußverlauf ist leider nicht einsehbar. Langsam lassen
wir uns deshalb weiter ansaugen, jederzeit bereit nach rechts zu
traversieren.
Stück für Stück gibt die Kurve den Blick jetzt weiter frei. Mike hat recht.
Eine ganze Batterie von hohen spitzen Wellen in kurzen Abständen lauert dort.
Auch bei beherztem Rückwärtspaddeln, würden unsere offenen Canadier dort
gnadenlos abgefüllt werden.
In der Mitte sieht es auch nicht viel besser aus. Ein paar Walzen gesellen
sich dort noch hinzu.
Ganz rechts dagegen sieht’s jetzt aus, als ob wir trocken durchkommen
könnten.
Aufgrund der Breite des Flusses und der starken Strömung, erscheint uns eine
„Seilfähre vorwärts“ am effektivsten, um schnell die andere Seite zu
erreichen. Viel Zeit bleibt nicht.
Die schwer beladenen Boote werden also in der Strömung gedreht, und noch
oberhalb einer Walze mittels der Seilfährentechnik ganz nach rechts bugsiert.
Auf „choppy Water“ wird dann zu der links liegenden, auffallenden Felswand
bei der Rechtsbiegung geritten. Wir müssen des öfteren Fahrt rausnehmen,
sprich Rückwärtspaddeln, um kein Wasser zu schöpfen.
Needle-Rock-Island liegt nun vor uns.
Eine Insel mit einer mächtigen, klotzigen Felsnadel inmitten des Flussbettes.
Bei diesem Hochwasserstand ist von der Insel selbst aber nichts zu sehen. Wie
ich später auf anderen Bildern zum Vergleich sehen konnte, zeigt sich uns nur
noch der obere Teil der Felsnadel.
Wir lassen diese imposante Erscheinung rechts liegen. Und damit wird auch der
allerletzten WW-Strecke auf unserer Tour der Rücken zugekehrt.
Nur wenige Tropfen aufgenommenes Wasser sind die Belohnung für die sorgfältig
gewählte Fahrtroute, und der defensiven Fahrtechnik.
Die Entscheidung auf Persenning/ Spritzdecken zu verzichten, haben wir nie
bereut.
Am Ende des Granite Canyons soll am Needle-Rock-Creek ein schöner
Übernachtungsplatz sein. Dieser wird jetzt angesteuert.
Das Plätzchen an dem kleinen Zufluß
ist in der Tat sehr idyllisch, wir nisten uns ein, Camp 17.
Eine baufällige schiefe Holzhütte nimmt unser Gepäck auf. Zur Übernachtung
wäre sie nur sehr bedingt geeignet, eigentlich nur als Notbiwak.
Direkt oberhalb dem steil abbrechenden Ufer des Needle-Rock-Creeks, wird
zwischen den Bäumen unser bewährtes leichtgewichtiges Tipi hinein gezirkelt.
Stefan und Jörg schleppen aus dem Wald eine abgestorbene, trockene Tanne
daher. Das Zersägen und Spalten des stattlichen Stammes ist schon eine etwas
schweißtreibende Arbeit.
Gelegentliche Regenschauer zwingen uns darüber hinaus immer wieder in die
Regenjacken.
Unsere bisher mehr oder weniger erfolglosen Angler versuchen nochmals ihr
Glück.
Ein gigantischer Fisch unbekannter Marke soll zweimal schon Stefans
Angelhaken im Maul gehabt haben, ohne aber fest zu zubeißen (ein mutierter
Mammut-Lachs, Hai, Wal ?).
Die Vorbereitungen zum Brotbacken laufen, und aus 2,5 kg Mehl mixen Stefan
und Claudia Bannock-Teig.
Den Teig rollt Ralf sauber und akkurat zu unzähligen Fladen aus. Am Ende
dieser Aktion sieht er aus, als ob er ebenfalls im Mehl gebadet hätte.
Ein aufgeregter Schrei von Thomas durchbricht die einsame Stille.
Nein, nein – falsch gedacht. Kein Bär legt ihm
liebevoll die Pranke um die Schulter. Ihm ist das Jagdglück hold.
Ein „Northern Pike“, ein Hecht, baumelt an seinem Galgen.
Es soll sich aber nicht um den, von Stefan gesichteten Giganten des Wassers
handeln.
Der strahlende Jäger wird mit seiner 62,5 cm langen Beute natürlich von allen
Seiten abgelichtet.
Fachgerecht schlitzt ihm Jörg am Ufer den Bauch auf (dem Fisch, nicht Thomas),
und schuppt das Grätentier.
So viel Erfolg muß natürlich gebührend gefeiert werden, was die traurigen
Überreste des Rum‘s in dem Gallonen-Fäßlein nicht überleben.
Allerleckerstes Pizza-Bannock fabriziert uns dann Stefan.
Die Bannock-Fladen werden zur Hälfte mit Salami, Schinken, Käse und Herbes de
Provence belegt, und dann zugeklappt. Die gefüllten Taschen werden dann von
beiden Seiten in Öl goldbraun ausgebacken, und sofort gierig weggeschmatzt.
Während das Brot unter ständigem drehen am Feuer vor sich hin backt, wird der
von Jörg filetierte und in Mehl gewälzte Hecht, in der Pfanne angebraten.
Dauert ganz schön lange bis der Bursche durch ist, und endlich im Schein des
Lagerfeuers vertilgt werden kann.
Montag 25.09.00 / 17. Paddeltag
Leider schon wieder Regen am Morgen.
Bis zu unserem Ziel Pelly Crossing ist es nur noch eine Tagesetappe.
Obwohl wir jetzt einen Reservetag zur Verfügung haben und uns der Platz
ausgesprochen gut gefällt, möchten die Kameraden nicht hier bleiben.
Wie schon mal erwähnt, waren 18 Paddeltage für die Tour kalkuliert.
Sie wollen versuchen zu organisieren, daß uns Wolf einen Tag früher am Ziel
abholt, um sich dann noch in Whitehorse von den Strapazen erholen zu können.
Die letzten 35 Kilometer werden unter die Paddel genommen.
Wer die atemberaubenden Naturschönheiten am South MacMillan erleben durfte,
ist von den landschaftlichen Reizen dieser Strecke nicht gerade überwältigt.
Das flache Land und der breite, Hochwasser führende Strom tragen ein übriges
dazu bei. Von den in der Karte vermerkten seichten Stellen keine Spur.
Derart breite Flüsse gefallen uns einfach weniger. Wir beneiden daher
niemanden, der den Yukon entlang paddelt.
Die „Old Wilkinson Farm“, ein
aufgelassenes Farmgelände, gleitet an uns vorbei.
Die nachfolgenden weiten, allmählichen Biegungen und Mäanderschleifen lassen
den Fluß träge erscheinen. Etwas Gegenwind drosselt zeitweise das
Vorankommen.
In einer der Biegungen ein einsames Gehöft, quasi ein Vorort von Pelly
Crossing.
Auf der gegenüberliegenden Seite sind die charakteristischen Lattenzäune
eines Indianer-Friedhofes auszumachen. Es wird gemampft.
Noch eine letzte Rechtskurve, und die ersten Häuser unseres Zieles kommen in
Sicht.
An dem links einmündenden Mica-Creek parkt ein Wasserflugzeug.
Ruhig gleiten die Boote an der langgestreckten Ansiedlung vorbei. Die
Bevölkerung ist überwiegend indianischen Ursprungs.
Die wenigen Anwohner die uns an diesem tristen Tag bemerken, winken uns
freundlich zu.
Nach einem allerletzten Linksknick haben wir die elegante Bogenbrücke
des Klondike-Highways über den Pelly River vor Augen.
Am Ufer ein, von Wind und Sonne dunkelbraun gefärbtes, kleines
Holz-Kirchlein.
Nach etwa 484 Paddelkilometern wurschteln wir, kurz hinter der Brücke, ein
letztes Mal unsere Gebeine aus den Booten.
Dort befindet sich eine gute Aussatzstelle und ein einfach ausgestatteter,
staatlicher Campground.
Das Ziel Pelly Crossing unserer Flußtour auf dem South MacMillan River ist
erreicht.
Manch einer ist froh endlich da zu sein, aber manch einer schaut auch etwas
wehmütig auf die hinter uns liegende, wundervolle Paddeltour durch eine
einsame Wildnis und grandiose Natur.
Die Wassermassen des Pelly dagegen streben weiter dem Yukon entgegen. Etwa
60 km nach Pelly Crossing mündet er, bei der historischen Ansiedlung Fort
Selkirk, in den Yukon.
Es ist durchaus möglich die Fahrt
bis nach Dawson City fortzusetzen. Das sind dann noch ca. 335 km.
Auf dem Campground sind wir ganz alleine. Es ist unser 18. Camp.
In einem der beiden großen offenen Unterständen mit Sitzgruppen drin, wird
die gesamte Ausrüstung zum Trocken, Säubern, Sortieren und Verpacken
ausgebreitet und aufgehängt.
Schon einiges was da zusammenkommt. Es ist also quasi Putz- und Flicktag.
Jörg und Claudia versuchen mehrfach telefonisch unseren Outfitter Wolf zu
erreichen, ob er uns auch einen Tag früher hier abholen könnte. Es meldet
sich aber jeweils nur der Anrufbeantworter.
Wie ja vorher schon bekannt war, ist Wolf momentan auf Elchjagd.
Unsere restlichen Vorräte sollten noch verfuttert werden.
Wir tun unser Bestes, und vernichten Nudeln mit Soße aus Speck,
Cathay-Pemmikan, Tomatenpampe, Zwiebeln usw.
Das obligatorische Lagerfeuer flackert an diesem Abend etwas länger als
sonst.
Dienstag 26.09.00 / (gewissermaßen der 18.
Paddeltag)
Starker Regen klopft in der
Nacht gegen die Zeltleinwand.
Tagsüber hält er sich aber vornehm zurück, und am Nachmittag kommt sogar die
Sonne zum Vorschein.
Zum Frühstück gibt es in der Pfanne die restlichen Nudeln vom Vorabend mit
Eiern, Zwiebeln und Speck.
Die frischen Eier haben wir in dem neuen großen Supermarkt des Dörfchens
ergattert.
Als die Uhr nach 11 anzeigt ist so gut wie klar, daß die flehenden Hilferufe
der Wildnisgeschädigten abgeholt zu werden, Wolf nicht erreicht haben.
Eine gewisse Schadenfreude kann ich mir innerlich nicht verkneifen, tu
dieselbige aber natürlich nicht kund.
Am schönen Camp des Needle-Rock Creeks hätte der eine oder andere Kamerad
doch mal so einen richtigen Faulenzertag einlegen können, wie er ihn immer
haben wollte. Einfach mal die Seele baumeln lassen.
Jetzt gammeln wir mehr oder weniger den ganzen Tag auf dem nicht gerade
idyllischen Campground in Pelly Crossing herum.
Manch einer unternimmt kleinere
Erkundungsspaziergänge in der näheren Umgebung und dem Indianer-Dörfchen.
Tag und Nacht läuft in dem Ort ein großes Dieselaggregat zur Stromerzeugung.
Von der Farbenpracht des Indian Summers ist inzwischen nicht mehr viel übrig
geblieben. Vor 3 Wochen noch in leuchtendem Gelb, haben die Blätter nun an
strahlendem Glanz verloren.
Dafür wurde schon seit Tagen kein Stech-Getier mehr gesichtet.
Zu Beginn der Tour haben uns abends, auf der einen oder anderen Kiesbank, mal
ein paar einzelne, noch nicht vom Frost dahingeraffte Moskitos kurzzeitig belästigt.
Insgesamt betrachtet hatten wir aber keinerlei Probleme mit den
Plagegeistern. Im Frühjahr oder Sommer dürfte das schon anders sein.
Aus der Traum von ner saftigen Elchkeule.
Ted und Greg sind bisher nicht an uns vorbeigezischt. Der Erfolg läßt bei
Ihnen wohl auf sich warten.
Eigentlich wollten sie spätestens um diese Zeit ebenfalls hier sein. Aber in
Kanada sieht man das nicht ganz so eng.
Die lädierten Fingerkuppen sind in der Zwischenzeit auch wieder weitgehend
ausgeheilt. Schon nach wenigen Tagen auf dem South MacMillan, hat fast ein
jeder rissige Finger bekommen.
War höchst unangenehm, da sie überhaupt nicht heilen wollten. Die kleinen
Wunden sind immer wieder von neuem aufgerissen.
Scheinbar kämpft aber nahezu jeder MacMillan Reisende mit dieser Tücke.
Hab das jetzt schon von mehreren Seiten gehört. Muß irgendwie doch mit dem
Wasser dort zusammenhängen.
Sibylle, die regelmäßig ihre Pfötchen eingecremt hat, blieb dagegen
verschont.
Wer jetzt das Geschirr abspült, darüber gab es nie Streit und Zank. Jeder
wollte mal wieder saubere Fingerchen haben.
Zur Mittagsjause wird ein heißes Blumenkohl-Süppchen und Bannock eingeworfen.
Zwei Hunde patroullieren über den Platz. Sie sind auf Sightseeing-Tour und
schauen nach, ob was für sie abfällt.
Die Ausrüstung ist in der Zwischenzeit schön abgetrocknet. Das Meiste wird
für den Rückflug schon fix und fertig wieder in den Tonnen und Packsäcken
versenkt.
Obwohl Georg’s geniales Outdoor-Öfelchen nur ein Mal im Einsatz gewesen ist,
würde ich ihn wieder mit auf Tour nehmen. Insgesamt war uns der Wettergott
nämlich schon sehr gnädig gestimmt, es hätte auch anders kommen können
Man muß ihn einfach als Versicherung bei schlechtem Wetter betrachten.
Zum Abendessen werden den restlichen Globetrotter Fertigfutter-Tüten den
Garaus gemacht.
Notfälle werden ja jetzt wohl keine mehr eintreten, und eine abzusehende
Verwendung haben wir dafür auch nicht. Ein kleines Vermögen, was in Form von
Beef Stroganoff, Försterin und Chili con Carne in unseren Schlündern
verschwindet.
Sibylle ist jedenfalls eifrig mit dem Anrühren der diversen Mischungen
beschäftigt.
Spät am Abend kommt ein Motorboot mit Jägern den Pelly aufwärts gefahren, und
legt an der Bootseinsatzstelle am Campground an.
Über der kleinen Kajüte sind 2 Elchgeweihe und Felle festgezurrrt. Das ganze
Boot wird im Wasser auf einen Hänger bugsiert und dann von einem Pickup
herausgezogen.
Uns quellen die Augen über. Eine Elch-Arschbacke nach der anderen wird vom
Boot auf die Ladefläche des Pickups umgeladen, gigantisch. Beim Transport
brechen die Männer schier zusammen. Berge von Fleisch.
Ein letztes Mal legen wir unsere Häupter im bestens bewährten Tipi zu Ruhe.
Mittwoch 27.09.00
Heftiger Regen in der Nacht
und auch noch am Morgen.
Das Lagerfeuer ist zum ersten Mal etwas bockig in Gang kommen zu wollen -
Abschiedsschmerz ?
Im Schutz des überdachten Shelters wird ein heißer Kaffee und unser
Trapperbrot Bannock eingeworfen.
Gegen 11.00 Uhr ist ausgemacht, daß wir von Wolf Adventure-Tours nach
Whitehorse abgeholt werden. So jedenfalls wurde es vor gut einem Jahr von
Deutschland aus gebucht.
Wenn er nicht kommen würde, hätten wir ein kleines Problemchen. Morgen geht
unser Flieger zurück nach Frankfurt.
Kurz nach 10 Uhr biegt der uns schon vertraute weiße Dodge in den Campground
ein.
Die halb in München und halb im Yukon beheimatete Dagmar ist da, um
unser Grüppchen abzuholen.
Wolf ist wirklich ein sehr zuverlässiger und empfehlenswerter Outfitter im
Yukon.
Rasch rödeln wir unser restliches Gepäck zusammen und verpacken das Tipi. Wir
waren noch gar nicht ganz reisefertig.
Hurtig verschwinden die zahlreichen Tonnen, Fässer und Packsäcke im Laderaum.
Die sauber geputzten Boote werden aufgeladen. Dagmar ist etwas am Knöchel
lädiert. Deshalb krabbelt der mit Boote verzurren bestens vertraute Ralf
auf’s Dach, um auch das dritte Boot sicher zu befestigen.
Daß die Scheiben des Van’s von innen beschlagen, ist jetzt schon eher
verständlich.
Kaum lassen wir das Talbecken des Pelly Rivers hinter uns, setzt
Schneetreiben ein. Der verbrannte, schüttere Wald links und rechts der Straße
ist weiß überzuckert.
Damit hatten wir eigentlich schon in den letzen Tagen auf der Paddeltour
gerechnet.
Aber bereits weit vor Carmacks ist es wieder aus mit der schneeigen Pracht.
Im Winter müßte das Yukon-Territorium bestimmt ebenfalls überwältigend schön
sein. Allein wenn ich an meine Reisen in das winterliche Nord-Skandinavien
denke - einfach grandios.
Von der überaus netten Dagmar erfahren wir viel über Land und Leute hier.
Rege wird über die zahlreichen lohnenden Paddelziele geschwärmt, die es alle
noch zu entdecken gäbe.
Mountain River, Wind River, Bonnet Plum, Stikine sind nur ein paar wenige
Stichworte.
Obligatorisch ein kurzer Stop an der Braeburn Lodge. Hier soll es die größten
Muffins weit und breit geben (kleine runde Kuchen).
Bereits kurz nach 14 Uhr werden wir wieder am Chilkoot Trail Inn an der
Qwanlin Mall in Whitehorse abgesetzt.
In der Dusche folgt der Schock. Der linke Hahn spendet kaltes, der Rechte nur
eiskaltes Wasser.
Da überwindet man sich nach 3 Wochen mal unter die Dusche zu steigen, nötig
wäre es eigentlich noch gar nicht gewesen, und dann nur Schmerz und Pein.
Da hätt ich genau so gut im Pelly River baden, und mich anschließend in der
Tiefkühltruhe aufwärmen können.
Um diese ungewöhnliche Uhrzeit scheint das einfache Motel kein Warm-Wasser
spenden zu wollen.
Frisch geschniegelt und gebügelt schwärmt ein jeder zum Shopping aus. Die
daheim gebliebenen Lieben müssen mit kleinen Geschenken gnädig gestimmt
werden.
Bei Canadian Tire, dem Geschäft, wo es eigentlich einfach alles gibt, entdecke
ich endlich spezielle Scheibenwischer für den Winter, die nicht so schnell
vereisen. Äußerst praktisch bei meinen Winterreisen durch Skandinavien.
Die Magennerven melden sich wieder mal zu Wort.
Auf Empfehlung von Dagmar stopfen wir uns diesmal nicht im Pizza Hut, sondern
bei Boston Pizza die runden Scheiben rein. Medium-Größe natürlich.
Der Geschmack eines leckeren Bierchens dabei, ist inzwischen ganz ungewohnt.
Die Gewöhnung fällt jedoch nicht weiters schwer.
Insgesamt ist der Pizza Hut nach unserem Urteil aber doch besser, und auch
billiger. Das praktische „auf-doupeln“ gibt es hier scheinbar nicht.
Von Claudia sind wir zu diesem Schmaus eingeladen, wofür wir uns alle bestens
bedanken.
In gleicher Zimmerbesetzung wie vor der Paddeltour, wird nach dem Vernichten
der allerletzten Schnapsreste zur Verdauung, vollgefuttert eingeschlummert.
Donnerstag 28.09.00
Früh sind wir auf den Beinen.
Ein Teil der Mannschaft ist frisch gedresst. Die vor der Paddeltour in „Workers
World“ erstandenen Klamotten werden ausgeführt.
Zum einen dadurch weniger voluminöses Gepäck, zum anderen um eventuellen
peinlichen Befragungen durch den deutschen Zoll zu entgehen.
Pünktlich um 8.30 Uhr stehen die 2 Kutschen von „Global“-Taxis vor der Türe.
Am Vortag hatten wir sie bestellt und reserviert.
Ich halt’s kaum für möglich, daß in dem Kombi und in der kleinen Limousine
tatsächlich unser gesamtes umfangreiches Gepäck, unser Grüppchen, und
natürlich die beiden Fahrer Platz finden werden.
Ich werde eines Besseren belehrt, und wenige Minuten später sind wir schon am
Flughafen.
Wie schon beim Herflug, wird unsere expeditionsmäßige Ausrüstung von den
anderen Fluggästen entgeistert angestarrt.
Es hat sich gelohnt früh dazu sein. Die Warteschlange vor dem
Eincheckschalter der Condor wird immer länger und länger.
Unser Gepäck sind wir erst mal los. Bis zum Abflug um 12.15 Uhr haben wir
noch einiges an Zeit.
Auf der anderen Seite des Alaska-Highways wird jetzt erst mal deftig
gefrühstückt. Wie es sich in Amerika gehört, natürlich mit Eier, Speck und
Kaffee bis zum Abwinken.
Pünktlich verlassen wir kanadischen Boden.
Jeder Zentimeter der Startbahn wird ausgenutzt. Von der äußersten Ecke der
Startbahn nimmt die zweistrahlige Boeing 767 Anlauf.
Nach einer schönen Schleife über Whitehorse, um Höhe zu gewinnen, taucht die
Maschine in ein dichtes Wolkenbett ein. Sie nimmt Kurs auf Anchorage in
Alaska.
Etwa 800 km bzw. ca. 1 Stunde 15 Minuten Flug sollen es sein.
Schade, ich hatte so gehofft, die gigantische Gletscherwelt der St. Elias-
und Wrangell-Mountains von oben betrachten zu können.
Stahlblauer Himmel in 10 000 Meter Höhe, aber unter uns dichte weiße
Wattewolken.
Die Begeisterung ist dafür umso
größer, als über der grandiosen Küstengebirgskette die Wolkendecke aufreißt,
und phantastische Einblicke auf die 5000 m hohen Gipfel gewährt.
Ein Meer von Eis- und Firngipfeln mit unermeßlichen Gletscherströmen.
Schmale Fjorde des Golfes von Alaska reichen weit ins Land. Die Gletscher
fließen direkt in diese weitverzweigten Meeresarme. Eisschollen und –berge
schwimmen auf dem Wasser.
Über dem Golf von Alaska und dem Cook-Inlet dreht die Maschine eine große
Schleife, bevor sie zur Landung in Anchorage ansetzt. Eine Vielzahl von
anderen Maschinen ist vor uns auf dem Landeanflug.
Die großflächige, 260 000 Einwohner zählende Stadt ist gut auszumachen.
Anchorage ist das Tor zu Alaska schlechthin.
Direkt darüber erheben sich die vergletscherten Chugach Mountains.
Die Versorgung des 49.-ten US-Bundesstaates erfolgt größtenteils über den
Luftweg. Eine ungeheure Anzahl von Frachtflugzeugen des Typs Boeing 747
Jumbo-Jet aus aller Herren Länder, geben sich auf dem Airport ein
Stelldichein.
Während unsere Maschine vollgetankt und für den Flug nach Frankfurt
vorbereitet wird, ist im Flughafengebäude eine Stunde Aufenthalt angesagt.
Von einem imposanten, ca. 3 m hohen Kodiak-Bären werden wir begrüßt.
Glücklicherweise ist dieser mächtige Braunbär ausgestopft und hinter Glas.
Wer in die Fänge eines solchen Giganten des Waldes gerät, dürfte für immer
verloren haben.
Während der Warterei kann man sich, bei einem Infostand der Tourismusbehörde,
mit Abdrücken von sehr schönen Stempeln versorgen.
In einiger Entfernung recken sich, vor schneebedeckter Gebirgskulisse, die
klotzigen Hochhäuser der Downtown in die Höhe.
Mit fast einer Stunde Verspätung und neuer Besatzung geht’s dann endlich
weiter.
Kann aber nicht an uns gelegen haben, daß eine neue Besatzung notwendig
geworden ist, wir haben niemanden gepiesackt.
Das komplett ausgeladene Gepäck ist doch hoffentlich wieder vollzählig an
Bord genommen worden.
Auf dem Weg zur Startbahn ist in der Ferne der höchste Berg des
nordamerikanischen Kontinents, der fast 6200 m hohe Mt. McKinley, unübersehbar.
Diese weithin dominierende Berggestalt der Alaska Range, ist inzwischen auch
unter dem ursprünglichen indianischen Namen Mt. Denali bekannt.
Es ist das dritthöchste Bergmassiv der Erde.
Die vollgetankte Maschine ist bis auf den letzten Platz besetzt, ca. 270
Passagiere.
Es ist für diese Saison der letzte Condor-Flug nach Frankfurt.
Wie schon in Whitehorse, nützt sie das letzte Fleckchen Startbahn aus. Die im
Bereich des Bugfahrwerkes angebrachte Bordkamera, zeigt auf den Monitoren
schon das Ende des Runways an, als die B767 endlich schwerfällig abhebt.
Wenn keine Filme vorgeführt werden, informieren die Bildschirme mit einer
Übersichts- und Detailkarte über die momentane Position des Flugzeuges -
Moving Map.
Zudem werden interessante Daten wie Außentemperatur, Geschwindigkeit,
Flughöhe, zurückgelegte Flugdistanz und verbleibende Entfernung bis zum Ziel,
zurückliegende Reisezeit und verbleibende Reisezeit bis zum Ziel, usw.
eingeblendet.
Für GPS-Freaks eine feine Sache.
Der Flug über diese unvorstellbare,
menschenleere Weite ist grandios. Endlose Wälder und Tundren, unzählige Seen
und mäandernde Flüsse, ein Meer von Bergen und riesigen Gletschern.
Auf der linken Seite sticht der Denali ins Auge.
Eindrucksvoll wie die Bergspitzen der Brooks Range durch die dichte
Wolkendecke in den blauen Himmel stoßen.
Hier irgendwo müßte das Flüsschen Noatak seinen Anfang nehmen. Dieses dürfte
ebenfalls ein lohnendes Paddelziel sein.
Ein letzter sehnsüchtiger Blick auf die Tundra Nord-Alaskas, dann sind wir
über der Beaufort-See.
Noch vor dem Erreichen Grönlands bricht die Nacht herein.
Freitag 29.09.00
Nach 9 1/2 Stunden Flug und 7500 Kilometern kommen die Skyline von Frankfurt
in Sicht.
Gegen halb 11 Uhr haben wir wieder heimischen Boden unter den Rädern.
Es vergeht aber noch eine ¼ Stunde bis die Maschine, noch hinter Lufthansa
Cargo, in der hintersten Ecke des Flughafens endlich abgestellt wird.
Noch ein kurzes Stückchen, und wir könnten direkt im Vorgarten von Stefan’s
Eltern aussteigen.
Es dauert lange, bis wir unser Gepäck letztendlich komplett in den Händen
halten.
Neben dem Bündel mit den Paddeln, ist ein Teil zum Ausgabeschalter für
Sperrgepäck geleitet worden. Komischerweise aber nicht die wirklich großen „Brocken“.
Glücklicherweise hat Sibylle den richtigen Riecher und stellt es dort sicher.
Die Überraschung ist groß.
Zu unserem Empfang ist neben Daggi, Jonas und Anke, sogar Marita aus dem
fernen Freiburg herbei geeilt, um Thomas abzuholen.
Bei Stefan’s Eltern wird noch rasch die restliche Ausrüstung verclickert.
Dann machen sich alle auf ihren mehr oder weniger weiten Nachhauseweg in alle
Himmelsrichtungen auf und davon.
Spätestens auf der Autobahn merkt man wieder, daß man in Deutschland ist. Der
erste Stau läßt nicht lange auf sich warten.
Wie herrlich war doch die Ruhe und Einsamkeit im Yukon.
Die Taschen der 6 GOC’ler sind zwar nicht prall gefüllt mit Gold-Nuggets,
aber dafür sind wir um einige unvergeßliche Erlebnisse und Erfahrungen
reicher.
Übrigens kam die gesamte Reise auf etwa 2820 DM pro Nase, inklusive Flug,
Van-Miete, Treibstoff, Fähre, Bootsmiete, Transportservice, Verpflegung,
Büchsbier, usw.
Unter dem Downloadbereich von „GPS - Routen“ ( http://www.gps-routen.de/ ) kann eine
Routen-Datei im Format Waypoint+ (kostenlose PC-Software; http://www.tapr.org/~kh2z/Waypoint/) mit den GPS-Koordinaten der wesentlichen
Punkte heruntergeladen werden (Einsatzstelle, Lage der Stromschnellen, der
Camps etc.).
Zum Abschluß noch ein herzliches Dankeschön nach Pfaffenhofen zu Peter Igla
vom Reisebüro Nordlandtours ( http://nordlandtours.com/
), der mich bei der Beschaffung der Flüge, unseres geliebten Busses, der
Boote und den Fahrten zur Einsatz-/ Aussatzstelle tatkräftig unterstützt hat.
Dort ist auch die hervorragende und detaillierte Flusskarte mit Beschreibung
(in englisch) von Mike Rourke erhältlich (den Flußführer aus dem
Allgeyer-Verlag (z.B. bei Globetrotter) kann man dagegen getrost
vergessen - nicht empfehlenswert).
Ein Dank auch an unseren sehr zuverlässigen und empfehlenswerten Outfitter Wolf
Schall und seinem Team von Wolf Adventure-Tours ( http://www.wolf-adventure-tours.de/
) in Whitehorse.
Und natürlich auch an Rolf Schurr und Christian Dressler, die mir so manchen
wertvollen Tip mit auf den Weg gegeben haben, sowie an meine Paddelkameraden,
die mit viel Einsatz zum Gelingen der Tour beigetragen haben.
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Der Tour-Guide
Ralf Schönfeld Nov.’00
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Teil 1: 1-wöchige Rundreise mit dem Auto durch
das Yukon-Gebiet und angrenzende Alaska
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